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Algorithmische Literatur

1920
Tristan Tzara publiziert das Manifest Um ein dadaistisches Gedicht zu machen. Die aus einer Zeitung ausgeschnittenen Wörter werden in einer Tüte geschüttelt und dann zu einem neuen Text zusammengestellt.

1937
Auf einer Surrealisten-Ausstellung wird mit der Lesemaschine pour Raymond Roussel ein Versuch vorgestellt, die Sprache des Dichters in ein mechanisches Modell umzusetzen: der in der linearen Buchform durch endlose Abschweifungen, Fußnoten und Parenthesen mit 9-fachem Verschachtelungsgrad 'unlesbare Text' wird auf eine Lesemaschine übertragen.

1945
Vannevar Bush publiziert den Aufsatz As We May Think und erläutert die Idee von Memex (Memory Extender), einer maschinellen Unterstützung assoziativen Denkens.

1948
generiert Claude Shannon Zufallsliteratur aus Markov-Ketten. Einfache Textquellen erhielten durch das Transformationsverfahren surrealistische Züge.

1957
Marc Adrian verfaßt die kurzgefaßte theorie des methodischen inventionismus, eine Theorie permutativer und serieller Methoden für die künstlerische Produktion, die er ab 1953 entwickelte.

1955
Der New Yorker Fluxus Dichter Jackson Mac Low nutzt Zufallsoperationen für die Erzeugung der 5 biblical poems.

1958
Konrad Bayer, unter der Mitwirkung von Oswald Wiener, nutzte in der vogel singt mathematische Verfahren zur Textproduktion, eine dichtungsmaschine in 571 bestandteilen

1959
Theo Lutz veröffentlicht in der Ausgabe der Zeitschrift für Tendenz und Experiment den Artikel Stochastische Texte. Er hatte auf Anregung von Max Bense auf dem Großrechner Zuse Z22 an der TH Stuttgart mit Hilfe syntaktischer Regeln einen stochastischen Text aus einem Wortvorrat programiert, der Franz Kafkas Das Schloss entnommen wurde

Brion Gysin erzeugt zusammen mit dem Mathematikers Ian Sommerville durch 120 Permutationen des gleichlautenden Bibelzitats das Gedicht I AM THAT I AM. 1965 setzt er den Versuch auf dem Computer Honeywell fort.

William Burroughs, ein Freund von Brion Grysin, adaptiert, dessen Cut-Up- und Fold-In-Methode für die Literatur: eine Art Collage aus verschiedenen Textquellen.

1960
Gründung der Grouppe Oulipo (L'Ouvroir de Litérature Potentielle, frz. Werkstatt für potentielle Literatur) durch Raymond Queneau und den Mathematiker François Le Lionnais. Zum Autorenkreis zählen u. a. Noël Arnaud, Jacques Bens, Claude Berge, Paul Braffort, Jacques Duchateau, Jean Lescure, Italo Calvino, Harry Mathews und Oskar Pastior. Inspiriert auch durch mathematische Überlegungen ist das Ziel die Spracherweiterung durch formale Zwänge. Georges Perec führt dies beispielhaft vor, indem er 1969 den Roman La Disparition schreibt, in dem der Buchstabe e nicht vorkommt.

Max Bense publiziert Modelle als Nr. 6 der reihe rot, eine Sammlung algorithmischer Texte (Boolesche Texte, Markoffsche Texte etc.).

1961
Nanni Balestrini, Mitglied der Grupp 63, erzeugt in Mailand mit Hilfe eines IBM 7070 aus Textauszügen aus dem Tao Te Ching von Lao Tzu, dem Hiroshima Diary von Michihito Hachiya und Paul Goldwins The Mystery of the Elevator das Gedicht Tape Mark I. Die Texte waren in Sinneinheiten zerlegt und nach metrischen Regeln rekombiniert worden.

Max Bense hält im Mai auf den Morsbroicher Kulturragen einen Vortrag mit dem Titel Zeitgenössische Literatur in Deutschland, der sich vor allem mit Computertexten auseinandersetzt.

Raymond Queneau veröffentlicht Cent Mille Milliards de poèmes, ein Buch mit zehn Sonetten, dessen Seiten zeilenweise so geschnitten sind, dass sich durch Umblättern daraus 1 Million Gedichte rekombinieren lassen.

1962
François Le Lionnais verfasst das erste Manifest der Gruppe OuLiPo unter dem Titel La Lipo.

R.M. Worthy publiziert eine Auswahl von Gedichten, die mit Hilfe des Programmes Auto-Beatnik erzeugt wurden.

Abraham A. Moles Erstes Manifest der permutationellen Kunst erscheint in Nr. 8 der reihe rot, die von Max Bense und Elisabeth Walther herausgegeben wird.

1963
Nanni Balestrini veröffentlicht Tape Mark II Es funktioniert wie Mark I, ist jedoch auf der Basis von Balestrinis eigenen Texten angelegt.

Augusto de Campos, Mitglied der südamerikanischen Noigandres-Gruppe, verfasst das Permutationsgedicht ACASO.

Edwin Morgan publiziert Computer’s first Christmas Card

Clair Philippy produziert auf einem RCA 301 Gedichte. Ziel des Programmes ist es, Blankverse mit einer Geschwindigkeit von 150 Worten pro minute zu erzeugen.

S. R. Levin publiziert On Automatic Production of Poetic Sequences

Im Rahmen der 3. Biennale im Musée d’Art Moderne de Paris findet eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel Art du langage statt. Präsentiert werden am 29. Oktober unter anderem Gedichte der Stuttgarter Gruppe (Heißenbüttel, Döhl, Harig).

1964
Jean Baudot publiziert La Machine a écrire mise en marche et programmée par Jean A. Baudot. Es enthält computergenerierte Gedichte, technische Erklärungen und Reaktionen zeitgenössischer Schriftsteller. Die freien Verse wurden mit Hilfe der Software PHRASE generiert.

Louis Couffignal und Albert Ducrocq erzeugen auf dem Rechner Calliope, surrealistische Verfahren immitierend, das Gedicht Un doute agréable couleur de lotus endormi

First international exhibition of concrete and kinetic poetry, St. Catherine's College, Cambridge

François Le Lionnais (OuLiPo) veranstaltet am 2. Oktober an der Universität Liège eine Konferenz mit dem Titel Machines Logiques et Electroniques et Littérature.

Clair Philippy, Informatiker der RCA Service Company aus Pennsylvania, USA, programmiert ein Vokabular aus 100 Wörtern, das der Computer anschließend in Strophen ordnet.

Max Bense und Reinhard Döhl verfassen das Manifest der Stuttgarter Gruppe Zur Lage. Es handelt sich u. a. um eine Beschreibung experimentell erprobter Textsorten.

1965
Emmet Williams nutzt die 101 häufigsten Wörter aus Dantes Die Göttliche Komödie für die Erzeugung von Gedichten. Studenten der Universität von Pisa hatten mit Hilfe eine IBM 1070 aus den 101.499 Worten des Textes die 101 häufigsten errechnet.

Jasia Reichardt kuratiert die Ausstellung Between Poetry and Painting am Londoner Institute for Contemporary Arts

Ted Nelson entwickelt die Idee des Hypertext: eine Software, die wie die Bibliothek von Babel alle Schriften verwaltet und es den Benutzern ermöglicht, an Stellen, an denen sie weiterführenden Hinweisen folgen wollen, sofort den entsprechenden Text aufzurufen.

1966
Joseph Weizenbaum veröffentlicht das Program ELIZA, ein Computerprogramm, das bestimmte Arten natürlicher Sprachkonversation zwischen Mensch und Computer ermöglicht. ELIZA erkennt Schlüsselwörter und den Minimalkontext und kann auf die Eingabe antworten.

Emmet Williams übersetzt im IBM Poem ein Spiel der konkreten Poesie für den Computer. 26 Wörter werden durch 26 Buchstaben des Alphabets ersetzt. Man wählt einen Gedichttitel, dessen Buchstaben dann durch die Wörter ersetzt werden. Deren Buchstaben werden wiederum durch Wörter ersetzt. Williams wählte als Ausgangswort IBM.

Gerhard Stickel erzeugt am Deutschen Rechenzentrum Darmstadt Autopoeme
Julio Cortazar publiziert Rayuela einen Roman , der wie das Spiel Rayuela [Himmel und Hölle] kombinatorisch gelesen werden kann.

1967
Manfred Krause und Götz F. Schaudt verwenden eine ZUSE Z 23 zu Erstellung von Gedichten. Sie publizieren einen Band mit dem Titel Computerlyrik. Poesie aus dem Elektronenrechner.

John Morris veröffentlicht in der Michigan Quarterly Review den Artikel How to write Poems with a Computer. Er beschreibt darin ein Haiku-Programm, das aus einer zuvor definierten Vokabelliste Gedichte generiert.

Anlässlich der Weltausstellung realisiert Jean A. Baudot eine zweite Version seines Gedichtgenerators PHRASE, REPHRASE, der in Zusammenhang mit dem Theaterstück Equation pour un homme actuel steht.

1968
Anlässlich der Geburtstagsfeier für Apollinaire im Londoner Institute for Contemporary Art entwirft Emmet Williams in Zusammenarbeit mit Peter G. Neumann das Gedicht Guillaume Apollinaire. Es handelt sich um ein visual-sound-poem, das auf den Wörtern Guillaume und Apollinaire basiert.

Die von Jasia Reichardt kuratierte Ausstellung Cybernetic Serendipity am Londoner Institut für Contemporary Arts stellt erstmals einer breiten Öffentlichkeit computererzeugte Texte vor. In der ausstellungsbegleitenden Sondernummer von Studio International präsentiert sie Arbeiten von Marc Adrian, Nanni Balestrini, Margaret Masterman und Robin KcKinnon Wood, Alison Knowles und James Tenney, Edward Morgan, Jean A. Baudot und E. Mendoza.
In der Ausstellung können Besucher mit dem von Alan Sutclife, nach einer Idee von Margaret Masterman und Robin McKinnin Wood, eigene Haikus generieren lassen und den Ausdruck anschließend mit nach Hause nehmen.

1969
Publikation der Nummer 5/6 der Zeitschrift Bit International: The Word Image. Poesie Concrète

Mac Low produziert im Rahmen des von Maurice Tuchman initiierten Art and Technology Programmes am Los Angeles County Museum of Art die PFR-3 Poems.

1970
Dick Higgins publiziert das Buch Computers for the Arts, eine theoretische Reflexion der Computerdichtung mit Beispielen.

Terry Winograd veröffentlicht SHRDLU, ein Programm, dass es ermöglicht, sich in Textdialogen mit dem Computer über eine kleine Welt aus Objekten, die BLOCKS world, zu unterhalten.

Der Westdeutsche Rundfunk sendet den Radioessay Sprache und Elektronik. Über neue technische Möglichkeiten, Literatur zu erstellen und rezipieren von Reinhard Döhl.

1971
Die Amsterdamer Wanderausstellung klankteksten / konkrete poezie / visuele teksten macht in Stuttgart im Würtemmbergischen Kunstverein Station. An Konzept, Katalog und Aufbau sind Mitglieder der Stuttgarter Gruppe beteiligt. Die Ausstellung geht nach Antwerpen nach Nürnberg, Liverpool und Oxford.

1972
Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt die Ausstellung Grenzgebiete der bildenden Kunst mit den Sketionen Konkrete Poesie / Bild Text Textbilder, Computerkunst und Musikalische Graphik


1973
Richard W. Bailey publiziert die Anthologie· Computer Poems mit 16 Autoren, u. a. Marie Borroff, Robert Gaskins, Louis T. Millic, Morgan und Morris.

Kenneth Colby entwickelt am Psychiatry Department von Stanford Parry, ein Computerprogramm, dass im Gespräch mit dem Computer ein paranoides Individuum imitiert.

1974
Ted Nelson publiziert das Buch Computer Lib / Dream Machines

Carole Spearing McCauley veröffentlicht Computers and Creativity.

1976
Ángel Carmona publiziert Poemas V2. Poesía compuesta por una computadora.

1977
Philippe Bootz unternimmt erste Experimente in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Jean-Michel Helincks an der Ecole Universitaire des Ingénieurs de Lille (EU-DIL).

Das A.R.T.A. (Atélier de Recherches Avancées du Centre d’art et de Culture George Pompidou) organisiert die Schriftsteller-Computer-Tage. Hier wird unter anderem die computergenerierte Fassung von Cent Mille Milliards de Poèmes von Raymond Queneau und Paul Bafford gezeigt.

1978
Die computergenerierte Fassung von XLIe Baiser d’Amour von Quirinus Kuhlmann (1651-1689) und Paul Brafford wird im C.I.R.C.A. de la Chartreuse de Villeneuve-les-Avignon vorgestellt.

1979
Phillippe Bootz publiziert La poésie matricielle. Er erzeugt mit einem Mini-Computer kombinatorische Gedichte.

1980
Jean-Pierre Balpe entwirft den ersten automatischen Gedichtgenerator Poèmes d’Amour.

1981
Claude Maillard realisiert mit dem Computer Matière de Vertige. Die Arbeit bewegt sich zwischen Buchstaben und Braille und wird später unter dem Titel Machines Vertige unter Verwendung abstrakter, informatischer Icons weitergeführt.

1982
Gründung von A.L.A.M.O. (Atelier de Littérature Assistée par la Mathématique et l'Ordinateur) durch die Schrifsteller und Informatiker Simone Balazard, Jean-Pierre Balpe, Marcel Bénabou, Mario Borillo. Ziel ist, den Computer in allen denkbaren Weisen für die Literatur zu nutzen.

Ted Nelson publiziert das Buch Literary Machines.

Michel Bret erzeugt Deux Mots, ein sechsminütiger Film - Images (et jeux) de mots aus einem Text von Roger Laufer.

1983
Eduardo Kac zeigt Holopoems . Durch die holografische Technik verändert sich die räumliche Lage von Buchstaben und Wörtern je nach Standort des Betrachters, so dass eine variable Poesie entsteht.

John Cayley nutzt das Programm Hypercard für die Erzeugung von wine flying und macht damit die dichterischen Strukturen eines klassischen chinesischen Vierzeilers sichtbar.

Roy Ascott kreiert auf ARTEX das Projekt La Plissure du Texte: A Planetary Fairytale. 14 Künstler aus Nordamerika, Europa und Australien schreiben an einem planetaren Märchen Auf der Ausstellung Electra im Musée d'art Moderne in Paris wurde das Projekt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und für Vorschläge der Besucher geöffnet.

1984
Mots-Voir veranstaltet die Ausstellung Texte Autre in Villeneuve d’Ascq.

Eine Ausgabe der Zeitschrift Action Poétique widmet sich A.L.A.M.O.: écriture et informatique.

William Chamberlain publiziert ein Buch mit dem Titel The Policeman's Beard is Half Constructed. Die Autorschaft wird dem Basic-Programm RACTER zugeschrieben, das von Thomas Etter mitentwickelt wurde.

Ladislao Pablo Györi entwickelt das Prinzip der poesia virtual

Der Canadische Dichter bp nichol schafft eine Reihe kinetischer Gedichte mit dem Titel First Screening, die in Basic für den Apple II. programmiert wurden.

Jean-Pierre Balpe realisiert eine Software, die 32.500 Rengas produziert.

Guillaume Loizillon veröffnetlicht in Intervention 22/23. Marathon/Écritures den Essay Traitement du Texte.

1985
In der von Jean-François Lyotard am Pariser Centre Georges Pompidou kuratierten Ausstellung Les Immateriaux nimmt A.L.A.M.O. teil. Die Gruppe stellt eine Software zur Verfügung, die automatisch 32.500 Rengas produzierte, außerdem die Software MAOTH (Manipulation Assistée par Ordinateurs de Textes Hybrides) sowie LAPAL (Langage Algorithmique pour la Production Assistée de Littérature).

Jean-Pierre Balpe präsentiert in Les Immateriaux seine Generatoren.

Jean-François Lyotard realisiert in Les Immateriaux mit Epreuve d’Écriture ein zweimonatiges kollektives Schreibexperiment zwischen Schriftstellern, Philosophen und Wissenschaftlern, die über M20 Olivetti-Maschinen vernetzt wurden. Daniel Buren, Michel Butor, Jacques Derrida, Philippe Lacoue-Labarthe, Bruno Latour, Isabelle Stengers u. a. diskutierten Begriffe wie code, interface oder séduire.

Art Acess publiziert seine erste Nummer auf dem französischen Netzwerk Minitel.

Das amerikanische Künstlerduo Xexoxial Endarchy (Miekal And und Elizabeth Was) publizieren das Dictionary of Neologisms.

Steward Brand gründet das Bulletin Board Systems Whole Earth Lectronic Link (WELL) in San Francisco.

Jean-Pierre Balpe und Bernard Magné veranstalten in Cerisy das Kolloquium Génération automatiques.

1986
Carl Loeffler und Fred Truck gründen das Art Com Electronic Network (ACEN). Es handelte sich um eine Mailbox innerhalb von WELL. ACEN war ein elektronischer Ausstellungsraum, der sich zeitgenössischer Kunst widmete, die mit neuen Kommunikationstechnologien arbeitete.

Philippe Bootz kreiert telematische, computeranimierte Gedichte.

Michael Joyce schreibt die Hyperfiktion "Afternoon" (veröffentlicht 1989).

Jean-Pierre Balpe veranstaltet La Bibliothèque du Futur im Centre George Pompidou, Paris.

In Villeneuve d’Ascq findet die Ausstellung Images et Mots statt.

1987
Anlässlich einer Hommage an Kurt Schwitters verfasst der New Yorker Fluxus-Künstler Jackson Max Low 42 Merzgedichte in memoriam Kurt Schwitters unter Verwendung unterschiedlicher Computer.

1988
Jim Rosenberg publiziert Intergrams

LAIRE (Lecture, Art, Innovation, Recherche, Écriture), die Gruppe um Philippe Bootz, realisiert computeranimierte Texte

Jeffrey Shaw präsentiert die interaktive Installation Legible City. Der Nutzer fährt auf einem Fahrrad durch die Stadt Manhattan, die durch dreidimensionale Texte dargestellt wird.


1989
LAIRE produziert die digitale Zeitschrift alire auf Diskette

Ernesto Manuel de Melo e Castro erzeugt unter dem Begriff der Infopoesia digitale Videogedichte wie Signagens

Charles O. Hartmann automatisiert mit dem Programm Diastext ein Textsyntheseverfahren, das Jackson Mac Low bereits 1963 entwickelt hatte.

Rod Willmot schreibt ein das Hypertextpoem Everglade, in dem jeder Link eine eigenständige Stanze in Blankversen enthält. Er nutze dafür seine eigene DOS-basierte Hypertextumgebung Orpheus.

1990
André Vallias publiziert Nous n’avons pas compris Descartes

Robert Kendall kreiert für DOS die kinetischen Gedichte The CLue: A MiniMystery und It All Comes Down to ____

Franz Joesef Czernin und Ferdinand Schmatz präsentieren das Dichtungsprogramm POE.

Oswald Wiener publiziert unter dem Synonym Evo Präkogler den Roman Nicht schon wieder ...! Eine auf einer Floppy gefundene Datei.

1991
John Cayley präsentiert das Hypercard-Projekt Indra’s Net

Stuart Moulthrops publiziert die Hyperfiktion Victory Garden

1992
André Vallias und Friedrich W. Block kuratieren die Ausstellung p0es1s (12. September - 3. Oktober) mit Werken von Fritz Lichtenauer, Rosenberg, Kac und anderen. Die Ausstellung in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge ist Vilém Flusser gewidmet.

Augusto de Campos publiziert Poema Bomba und Sos, visuelle Gedichte die mit Hilfe von Silicon Graphics Rechnern digital umgesetzt wurden.

Peter Weibel realisiert am Frankfurter Institut für Neue Medien die interaktive Installation Zur Rechtfertigung der hypothetischen Natur der Kunst und der Nicht-Identität in der Objektwelt. Über Sensoren im Boden kann der Betrachter in der Text-Welt räumlich-dynamische Buchstabengruppen erzeugen.

1993
Patrick-Henri Burgaud kreiert mit Jean-Marie Dutey sein erstes animiertes Gedicht Les Vagues de la Mer

Judith Malloy publiziert den auf der Odysee basierenden Hypertext Its Name Was Penelope. Der Leser kann Textpassagen auswählen, ein Pseudo-Zufallszahlen-Generator ergänzt die Entscheidungen.

Deena Larsen publiziert die Hyperfiktion Marble Springs

Publikation der CD-ROM Poetry in Motion, einer Präsentation zeitgenössicher Dichtung, eine Adaption von Ron Manns gleichnamigem Film.

Chris Funkhouser performed Gedichte, die aus Konversationen in objektorientierten Multi User Dungeons (MOO) entstehen.

1994
Gründung des Electronic Poetry Center (SUNY Buffalo)

Robert Coover publiziert die Hyperfiktion Hypertext Hotel (1994)

1995
Masaki Fujihata kreiert Beyond Pages. Das Buch als Interface simuliert noch den Vorgang des Blätterns, doch die Begrenzung durch die Zweidimensionlität der Fläche aber und die Starre der Zeichen wird in dieser computerbasierten Rauminstallation überschritten.

Shelley Jackson publiziert die Hyperfiktion Patchwork Girl.

Alain Vuillemin und Michel Lenoble geben Littérature et Informatique. La Littérature Génerée par Ordinateur heraus.

1997
Geoff Rymans publiziert die Hyperfiktion 253

Mark Amerikas publiziert die webbasierte Hyperfiktion Grammatron.

1998
Hans Magnus Enzensberger entwickelt den Poesie-Automaten.

1999
Giselle Beiguelman publiziert The Book after the Book im World Wide Web.

2000
Peter Dittmer präsentiert Die Amme. Die Installation reflektiertdie Möglichkeiten der Mensch-Maschine-Konversation.

2001
Axel Roch kreiert Diagrammatical Read/Write-Head, eine auf Eye-Tracking basierende interaktive Installation, die den Leseprozess auf einer diagrammatischen Bildfläche in einen Schreibprozess umkehrt, insofern die mit dem Blick selektierten Wörter das sukzessive Material eines Textes bilden.

David Link präsentiert Poetry Machine 1.0. Die interaktive Installation operiert mit einer Tastatur als Interface, einer Internetverbindung und zwei Videodisplays. Poetry Machine 1.0 ist ein Wortprozessor, der Assoziationen extrahiert. Als Quelle dieser Information wird das World Wide Web herangezogen.

Bastian Böttcher entwickelt mit Willehard Grafenhorst Looppool als offene Plattform, mit der Musik, Dichtung und bewegte Bilder, ähnlich einem DJ-Mix, kompiliert werden können.

2002
Christophe Bruno entwickelt Gogolchat. Gogol nimmt Wörter der Gesprächsteilnehmer auf, mixt sie mit Fundstücken im Netz und wirft sie zurück. Jimpunk ergänzte den verbalen Chat um Skripts und Bildmaterial.

zusammengestellt von Margit Rosen und Peter Weibel

Links ::

-> Mike Weisser: Homepage
-> Edwin Morgan: Homepage
-> Reinhard Döhl: Homepage
-> Joseph Weizenbaum: ELIZA
-> Oswald Wiener: Feature
-> Shelley Jackson: Patchwork Girl [Abstract]
-> Mark Amerika: Grammatron
-> Giselle Beiguelman: The Book after the Book
-> David Link: Poetry Machine
-> Bastian Böttcher, Willehard Grafenhorst: Looppool
-> Christophe Bruno: Biographie
-> Peter Weibel: Im Buchstabenfeld