Judith Barry ::
Imagination, Dead Imagine, 1991

Videoinstallation
295 x 253,5 x 253,5 cm
Collection of Contemporary Art Fundación "La Caixa", Barcelona

Als ob in einem gespiegelten minimalistischen Kubus eingebaut, wirkt der an die Wand projizierte androgyne Kopf der Arbeit Imagination, dead imagine von Judith Barry. Ein langsames Atmen der Gestalt erfüllt den Raum. Der Kopf verhält sich ruhig, wartend. Plötzlich ergiesst sich über ihn von allen Seiten her eine Substanz, woraufhin sich der Betrachter vom Bild abzuwenden versucht. Sein Versuch scheitert. Die Abscheu vor diesen Ekel erregenden Substanzen wird schliesslich durch die Faszination an der Schönheit der majestätischen aber abstrakten Landschaften ersetzt, in die sich die Substanz wandelt.
Der theoretische Ausgangspunkt in Barry Projekt war ihre Analyse verschiedener historischer wie zeitgenössischer Konzepte des Körpers, wie sie beispielsweise von den französischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty und Julie Kristeva diskutiert werden oder wie sie in den Strukturen der Minimal Art enthalten sind. Das Augenmerk der Arbeit liegt auf der Referenz zu diesen verschiedenen Konzepten des Körpers, die durch Elision oder Verwerflichkeit definiert werden. Diese Referenz kombiniert Barry mit Merleau-Pontys Konzept vom Vorrang der körperlichen Erfahrung, als einem inneren Horizont der, so seine These, Bewusstsein produziert. Die Formulierung des horror vacui sieht Barry als eine Bedingung der Erfahrung und wählt den Titel Imagination, dead imagine, um den Bezug zu Samuel Beckett herzustellen.