Marc Lafia ::
Variable Montage, 2002

Software, Quicktime Video, MAX MSP Patch
Courtesy Marc Lafia, besonderer Dank an Didi Fire

In dieser Arbeit thematisiert Marc Lafia die durch Software-Anwendungen und computerbasierte Prozesse bedingten Veränderungen der kinematographischen Montage bzw. deren Neudefinition gegenüber visuellen Strukturen des traditionellen Films.
Auf einem Monitor ist ein dreiteiliges Bild zu sehen, das sich aus einer Auswahl aus siebenundzwanzig Standbildern aus russischen Filmen zusammensetzt. Diese Standbilder wiederum wurden in fünf Teile gesplittet, die sich ständig verändern und ausgetauscht werden. Jedem dieser fünf Teilstücke wurde ein akustisches Element, eine kurze Phrase aus Mahlers 9. Symphonie, zugeordnet. Diese sich kontinuierlich in ihrer Tonhöhe verändernden Elemente werden parallel zu den sich in ihrer Abspielgeschwindigkeit verändernden Bildern und Bildfolgen wechselweise und auch sich überschneidend hörbar.
Ist der Projektor im traditionellen Film eine rein technische, fest montierte Apparatur zur Wiedergabe eines einzigen Projektionsbildes ist, so bedeutet die Bezeichnung »Projektor« im Bereich des auf Software-basierenden Films zugleich Wiedergabeinstrument und Generationsmodus. Er wird zu einem variablen Instrument, das Filme unter Vorgabe bestimmter und vielschichtiger Parameter abspielen und projizieren kann. Für die Arbeit Variable Montage verwendete Lafia das Programm MAX MSP. Jedes Bild kann so in eine Zahl übersetzt werden und jeder Gruppe zusammengehörender Bilder werden Variablen zugeordnet, innerhalb deren Grenzen die Abfolge dieser Bilder und ihre Ordnungsstruktur in Bezugnahme auf alle übrigen Bilder modifiziert werden können.
Im Bereich der computerbasierten Bildgeneration erhalten die Begriffe »Zeit« und »Sequenz« eine völlig neue Bedeutung, die vielleicht vor allem im Unterschied zwischen Werden gegenüber Sich-Entfalten begründet liegt, da jedes Konzept von »Zeit« in diesem Bereich das Werden eines Filmes bedeutet, durch das gleichzeitig etwas Essentielles über computerbasierte Prozesse als ein Instrument zur Realisierung Material inhärenter Möglichkeiten sichtbar wird sowie auch über das Kino als eine fest gefügte Maschinerie des Speziellen.
So ist Variable Montage gleichzeitig in eben solchem Maße ein Maschinerie oder Struktur möglicher Filme wie auch Film an sich.