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Agnes Hegedüs, Bernd
Lintermann, Jeffrey Shaw
reConFIGURING
the CAVE [2001]
Musik: Les Stuck
Bewegungsanalyse für Musik: Jonathan Bachrach
Produktion: Boctok Tokyo und David DíHeilly
Produziert vom ZKM Karlsruhe
ConFIGURING the CAVE, courtesy NTT InterCommunication Centre, Tokyo,
Japan
ConFIGURING the CAVE [1997] ist eine
computergestützte interaktive Video-Installation, die mit Hilfe
technischer und bildlicher Strategien paradigmatische Verbindungen
zwischen Raum und Körper aufzeigt. Die menschliche Figur stellt
dabei einen psycho-geographischen Ort für vielfältige Formen
und räumliche Repräsentationen dar. Diese Arbeit ist eines
der ersten Kunstwerke, das CAVE als eine einzigartige virtuelle
Umgebung nutzt, durch die hochauflösende stereoskopische Bilder
in Echtzeit auf drei Wände und auf den Boden eines eigens dafür
konstruierten Raumes projiziert werden. Den Betrachtern wird eine
höchst immersive virtuelle Realität geboten. Die Benutzeroberfläche
dieser interaktiven Installation ist eine Puppe aus Holz, die fast
die Gröþe eines Menschen und die typische Gestalt einer Künstler-Holzpuppe
hat. Ihre beweglichen Gelenke sind mit elektronischen Messgeräten
ausgerüstet, die von den Betrachtern manipuliert werden können.
Es sind damit nicht nur Transformationen der computergenerierten
Bilder, sondern auch die klanglichen Umgebungen durch die Betrachter
steuerbar.
In der Installation ReConFIGURING the CAVE [2001],
die in der Ausstellung FUTURE CINEMA gezeigt wird, kommen lediglich
zwei gröþere Projektionsflchen zum Einsatz: eine auf dem Boden
liegende Fläche, auf der senkrecht eine zweite Projektionsfläche
steht. Der Körper der Holzpuppe wird ersetzt durch einen LCD-Bildschirm,
der zugleich ein Sensorbildschirm ist. Über diesen Bildschirm
können die Betrachter die virtuelle Darstellung der Puppe verändern
und zwar fast genau so, wie dies bei der tatsächlichen und
ursprünglichen Holzpuppe möglich ist.
Die Installation besteht aus sieben verschiedenen
audiovisuellen Bereichen. Ihr Zusammenspiel ermöglicht die
zusammenklingende und einheitliche Erkundung der vielfältigen
Beziehungen zwischen Körper, Geist und Sprache. Mit Hilfe eines
einzigartigen Satzes algorithmischer Softwaretools, der von Bernd
Lintermann entwickelt wurde, wird die Bildwelt erzeugt. Diese Tools
können eine Komplexität veränderlicher und reaktiver
Formen und organischer Abstraktionen generieren, die untereinander
durch darstellende und symbolische Bilder zu einer Einheit verknüpft
sind. Die Bewegungen des Puppenkörpers und seiner Gliedmaþen
beeinflussen dynamisch die sich verändernden Parameter der
Software, die in Echtzeit Bilder erzeugt.
Der Komponist Les Stuck hat für die sieben Bildfelder
der Arbeit sieben Klangkompositionen entwickelt, die über eine
achtkanalige Tonanlage mit räumlicher Klangabbildung abgespielt
werden und dadurch die dreidimensionalen Qualitäten der stereoskopischen
visuellen Umgebung noch verstärken. Auch die Klangkompositionen
knnen wie die Bildflchen von den Betrachtern interaktiv beeinflusst
werden, indem die Bewegungen des Puppenkörpers und seiner Gliedmaþen
über die Schnittstelle gesteuert werden. Dies ermöglicht
eine synchronisierte Einheit bildlicher und klanglicher Transformationen
und erklärt die insgesamt so einzigartige synästhetische
Wirkung der Installation.
ConFIGURING the CAVE realisiert und
vergegenwärtigt eine vermittelte, durch Medien erzeugte Umgebung
funktionalisierter Relationen körperlicher und räumlicher
Koordinaten. Diese Relationen erzeugen eine anthropomorphe Welt,
die sich auf eine lange Tradition in allen Kulturen bezieht, in
denen der Körper als Maþstab und Modell für das Universum gedacht
wird. Zugleich ist die Installation aber in einem streng postmodernen
Kontext eingebettet, in dem sich der Körper in einem schwindelerregenden
Raum mit dekonstruierten Koordinaten von mehrdeutiger Komplexität
wiederfindet. Die lang ersehnte Harmonie zwischen Makro- und Mikrokosmos
wird in dieser fragilen Kovarianz des repräsentativen stellvertretenden
Körpers der Puppe in Frage gestellt, indem diese anstelle
des menschlichen Körpers und stellvertretend für diesen in einen
netzartigen, unermesslichen Raum gestellt wird. Durch die Bilder
entsteht ein Bedeutungsraum, der nicht nur eine interaktive Erweiterung,
sondern auch ein Ausdruck der Bestimmung des heutigen Menschen ist,
wobei sich zeigt, dass der Mensch von den geschichtlichen Konfigurationen
sowohl getrennt und dennoch zugleich mit diesen verknüpft ist.
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