Eija-Liisa Ahtila :
    Tuuli - The Wind, 2001

Das filmische Schaffen der 1956 in Hämelinna (FIN) geborenen Künstlerin Eija-Liisa Ahtila ist vor allem durch die Verknüpfung narrativer Strukturen verschiedenster Genres - vom Dokumentar-, Spiel- oder Kurzfilm bis hin zum Werbefilm - geprägt, mit denen sie »Erzählungen« über alltägliche Erfahrungen zwischen Fiktion und Realität, Vertrautem und Fremdem zueinander in Beziehung setzt.
Besonders charakteristisch ist dabei die Auseinandersetzung mit Fragen nach der Identität des Individuums, mit persönlichen Krisen sowie den Strukturen und Variationsmöglichkeiten menschlicher Verhaltensmuster. Ahtila forscht in ihren Werken nach dem Geheimnis Mensch und begleitet ihn auf seiner Gratwanderung zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Obgleich sie mit modernsten technischen Hilfsmittel und mit aktuellen künstlerischen Strategien arbeitet, diese in ihrem Werk teilweise sogar vorantreibt, so folgt ihr Sujet den alten, eingebrannten Spuren auf der Suche nach den dunklen Seiten der Existenz.
Die Arbeit »Tuuli - The Wind« thematisiert die Psychose der Protagonistin Susanna, die sich - hervorgerufen durch einen Windstoß, der das Interieur ihrer Wohnung völlig durcheinander wirbelt - einer heftigen Grenzerfahrung gegenübergestellt sieht. Während ihres Balanceakts auf dem fragilen Konstrukt Wirklichkeit erfährt der Betrachter immer mehr über Susannas Leben und sie zieht ihn mit in einen Sog von ineinandergreifenden und sich überlappenden Erzähl- und Wirklichkeitsebenen, bis er sich nahezu außerstande sieht, zwischen Realität, Fiktion und Vision unterscheiden zu können.
Für den Betrachter der Installation ergibt sich ein irritierendes Moment, einerseits durch die Verflechtung von fiktiver Geschichte und psychoanalytischer Erklärung im Film, andererseits durch das klare Bestreben der Künstlerin, die vermeintliche Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit zu durchbrechen.

Videoinstallation (Farbe, Ton); 15'50" Loop


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