Tacita Dean :
    Sound Mirrors, 1999

Die »Sound Mirrors« sind drei massive Betonwände, die unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in Kent an der englischen Küste gebaut wurden. Geplant als Frühwarnsystem für Luftangriffe, sollten die »Sound Mirrors« Geräusche sich nähernder feindlicher Flugzeuge auffangen und verstärken, wurden jedoch schon kurze Zeit nach ihrer Errichtung durch die Erfindung des Radars nutzlos.
In Tacita Deans Film aus dem Jahr 1999 werden die titelgebenden »Sound Mirrors« in langen Einstellungen umkreist. Die ursprüngliche Bedeutung der Objekte erschließt sich dem Betrachter nicht – je nach Blickwinkel werden Assoziationen zu moderner Skulptur oder Industriebauten geweckt. Verfall und Kontrast der »Sound Mirrors« zu ihrer Umgebung werden deutlich. Das grobkörnige Filmmaterial und die schwarzweiß-Aufnahmen erhöhen noch den Eindruck zeitlicher Distanz.
Zwei der drei »Sound Mirrors« erinnern an Parabolantennen, die dritte ist eine 60 Meter lange Mauer, die in einem Bogen die Landschaft durchschneidet. An dieser Stelle wurde auch der Ton zu Tacita Deans Film aufgenommen und erst nachträglich mit dem Bildmaterial kombiniert. Motorenlärm, Vogelgezwitscher und Wind generieren somit als Geräuschkulisse eine von den Bildern unabhängige Raumwirkung.

Tacita Deans Filme werden stets von Texten als eigenständiger Ausdrucksform begleitet. In den Essays wird dabei oft die Vorgeschichte ihrer Reisen und Kunstprojekte erzählt. Auf diese Weise erfahren wir von der ursprünglichen Funktion der »Sound Mirrors«.
Tacita Dean untersucht mit ihren Arbeiten stets die dem jeweiligen Medium innewohnenden narrativen Strukturen. Erst durch die kombinierten Informationen von Bild, Ton und Text, verknüpft mit eigenen Assoziationen erschließen sich dem Betrachter die Gesamtzusammenhänge.

16mm Film (s/w, Ton); 7'

 


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