Douglas Gordon :
    Bootleg (Empire), 1998

Die Filminstallationen des 1966 in Glasgow geborenen Künstlers Douglas Gordon basieren meist auf vorgefundenem akustischem oder visuellem Material aus dem Bereich des Films sowie der Amateur- und der dokumentarischen Fotografie. Zu seinem Werk zählen u.a. Aufnahmen, die er mit textuellen Versatzstücken bearbeitet oder Installationen, die im wesentlichen von der extremen Verlangsamung des gezeigten Films leben. Im Zentrum dieses aus der Verbindung von Film, Text, Sprache und Raum bestehenden Werkes steht dabei die Auseinandersetzung mit der Konstruktion von individueller und kollektiver Erinnerung und Identität sowie mit den verschiedenen Aspekten der physischen und psychischen Bedingungen von Zeit und Kommunikation.

Prominentestes Beispiel ist Alfred Hitchcocks Meisterwerk »Psycho«, welches Douglas Gordon auf die Abspielzeit eines ganzen Tages ausdehnte und das filmische Empfinden des Betrachtens auf die Gegenwartsebene reduzierte. Die Manipulation der Wahrnehmung vor dem Hintergrund der Fiktionalität visueller Medien ist auch Teil der Arbeit Bootleg Empire, wobei Gordon hier den entgegengesetzten Weg verfolgt. Der Ausgangsfilm - Andy Warhols »Empire« von 1964 - besteht in der Originalversion aus einem achtstündigen Blick auf das Empire State Building; lediglich durch die wechselnden Lichtverhältnisse ändert sich die Szenerie von Zeit zu Zeit.

»Empire« wurde durch Gordon in seiner Abspielgeschwindigkeit nicht extrem verlangsamt, sondern verkürzt, indem der Künstler nur den Beginn und das Ende einer Vorführung von Warhols Film in Berlin aufgenommen hat. Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich bei Gordons Film um eine heimlich gemachte Aufnahme, die ständige Betriebsamkeit wiedergibt: Die Kamera wackelt, Zuschauer stehen auf und gehen durchs Bild oder verdecken für kurze Zeit die Sicht auf die eigentliche Projektion. Gordons Version von »Empire« ist eine Umkehrung des gemäldeartig anmutenden Originals, womit er die ästhetischen Potentiale seines Künstlerkollegen neu interpretiert und so einen präzisen Beitrag zur Reflexion über das Medium leistet.

Bootleg (Empire)

Video (Farbe, ohne Ton); 125'

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