Chantal Akerman :
    Selfportrait / Autobiography: a work in progress, 1998

Die Filmemacherin Chantal Akerman stellt in ihren Arbeiten stets Bezüge zu ihrer eigenen Autobiographie her und setzt sich mit Themen wie ihrer Identität als Frau, Judentum und Emigration, Sexualität, Familie, Erinnerung und Geschichte auseinander.

»Selfportrait/ Autobiography: a work in progress« wird in Form einer Installation präsentiert: Sechs Monitore stehen auf Podesten und bilden in drei Reihen ein frontal ausgerichtetes Dreieck mit je drei, zwei und einem Bildschirm. Je nach Standpunkt des Betrachters ergeben sich unterschiedliche Blickwinkel und Kombinationen der sechs Filmbilder.
Gezeigt werden Ausschnitte aus vier früheren Filmen Chantal Akermans: Die drei Monitore der ersten Reihe zeigen Ausschnitte aus »D’Est« (1993), Dokumentation einer herbstlichen Reise von Ostdeutschland über Polen bis nach Moskau. Auf den beiden mittleren Monitoren läuft »Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles« aus dem Jahr 1975. Der hinterste Bildschirm zeigt unter dem Titel »Apparitions« Ausschnitte aus zwei früheren Filmen der Regisseurin: »Hotel Monterey« (1972), die filmische Dokumentation eines schon etwas heruntergekommenen Hotels, und »Toute une nuit« (1982), der skizzenhaft und unvollständig Ereignisse in einer Sommernacht in Brüssel schildert.

Zwischen den Bildschirmen sind Stühle so aufgestellt, dass der darauf Platz nehmende Betrachter nur die zweite und dritte Monitorreihe sehen kann. Die Stimme der Regisseurin ist hier über Lautsprecher als Voice-Over zu hören und mischt sich mit der Geräuschkulisse der Filme. In dem »A Family in Brussels« betitelten Tonband nimmt Chantal Akerman die Rolle ihrer Mutter ein und erzählt in der ersten Person aus deren Leben. Ausgehend von Krankheit und Tod des Ehemannes erfahren wir, dass Akermans Eltern beide Holocaust-Überlebende sind, die sich nach dem Krieg in Brüssel eine neue Existenz aufbauten.

Ebenso wie der Titel der Installation auf die Selbstdarstellung in Bild und Text – Selbstportrait und Autobiographie – verweist, sind auch die Filmbilder und die Erzählung Akermans einander ergänzende Zeugnisse ihrer eigenen Identität, die dabei zugleich hinterfragt wird. Die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion verschwimmt dabei, tatsächliche Begebenheiten aus dem Leben der Regisseurin verbinden sich mit der filmischen Repräsentation.

Videoinstallation (Farbe, Ton) auf 6 Monitoren; 29'57 - 59'57" Loop

 


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