Mark Leckey :
    LondonAtella, 2002

Die Videos von Mark Leckey führen uns in die grelle Welt von Diskotheken, Dancehalls und Clubs. Dabei verwendet der Künstler sowohl aktuelle Aufnahmen als auch vorgefundenes Filmmaterial aus früheren Epochen der Disco-Era.

So zeigt »Fiorucci Made Me Hardcore« (1999) mit originalen Dokumentaraufnahmen die Entwicklung der Dancehalls in den letzten 25 Jahren. Dabei wird auch der graduelle Wandel von Mode- und Musiktrends, vom englischen ’’northern soul’’ der 70er Jahre zu den ’’extasy raves’’ der 90er. Durch die geschickte Schnitttechnik, mit der er die grobkörnigen, überbelichteten oder in anderer Weise minderwertigen Dokumentaraufnahmen verknüpft hat, visualisiert Leckey dabei auch die Beschleunigung der Rhytmen und den Wandel im Tanzstil. Die Beobachtung geht bis zu Phasen des Stillstands der Bewegungen unter Stroboskoplicht.

Im Jahr 2001 entstand »We are (untitled)« als eine Art Nachfolgeprojekt zu »Fiorucci Made Me Hardcore«, das sich mit der Ravekultur auseinandersetzt. Sieben junge Menschen befinden sich in einem Raum. Sie tanzen, rauchen, reden und trinken Bier. Zum Teil werden sie nur für Sekundenbruchteilen von Spotlichtern erhellt, fragmentartig werden dabei Handlungsausschnitte erkennbar. Später sehen wir sie in normaler Beleuchtung, wobei sich die Kamera auf Gesichter, Make-up und Accessoires konzentriert.
Mark Leckey hat den Film mit professionellen Schauspielern in seiner Wohnung gedreht. Dagegen erscheinen die Aufnahmen bewusst amateurhaft, ein Widerspruch, der eine ganz eigentümliche Ästhetik erzeugt. Assoziationen zum Underground-Film der 60er Jahre werden wach.

Der Titel der dritten Arbeit, »LondonAtella« (2002) bezieht sich auf Leckeys Zusammenarbeit mit dem Sänger Ed Liq, für dessen Band »donAtella« Leckey als Produzent fungierte. Das aus dem Projekt hervorgegangene Album Radiohead besteht aus 20 kurzen Coverversionen bekannter Popsongs. Dazu wurden alle für die Musikvermarktung üblichen Marketingstrategien wie Liveauftritte, Promotion-Material und Musikclips eingesetzt. »LondonAtella« ist einer dieser Clips. Gecovert wird hier der Human Resources Song Dominator, wobei sich die Interpretation auf eine einzelne Textzeile aus dem Refrain beschränkt: »I am the Only One Dominator«. Das Video besteht aus mit einfacher Technik erzeugten Aufnahmen und vorgefundenem Bildmaterial. Historische Ansichten Londons vermischen sich mit Szenen aus Katastrophenfilmen, deren Schauplatz ebenfalls die britische Hauptstadt ist. Dabei ist deutlich erkennbar, dass die Bilder Ergebnis einer filmischen Collage und Montage sind, so dass das Video einen gewissen nostalgischen Charme erhält. Vor dieser Kulisse agieren der Hauptdarsteller und seine Partnerin, die sich beide durch ihre Androgynität und ihre Dandy-Posen auszeichnen.
Mark Leckey ist mit diesem Projekt an einer Schnittstelle innerhalb der visuellen Medien tätig. Ästhetische und künstlerische Ansprüche stehen im Videoclip in Konkurrenz zu kommerziellen Ansprüchen.

LondonAtella

Videoinstallation (Farbe, Ton); 14'48"

launch broadband video
launch modem video
 


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