Bjørn Melhus :
    Silvercity I + II, 1999

Der 1966 geborene Bjørn Melhus gehört zu einer Generation, die mit dem Massenmedium Fernsehen aufgewachsen ist und die wie keine zweite in diesem Identifikationsangebote als Modelle für Realität und und virtuelle Wirklichkeit gefunden zu haben scheint. Melhus’ Werk lebt von seiner Reflexion über das Medium mittels des Mediums, wobei er als zentrale Auseinandersetzung die Frage nach dem eigenen Ich in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen rückt. In erzählerischer Form behandelt Melhus den Verlust der Subjektivität durch »die Auflösung des Fernsehens in das Leben« und die Frage nach der Bedeutung der technischen Bilder für die Identitätssuche. Im Sinne verschiedener Bewußtseinsebenen läßt Melhus stets einen Zwilling oder Doppelgänger agieren, der gleichzeitig die Vision von der gentechnischen Doppelung des Menschen aufwirft.

Wie beispielsweise in »Das Zauberglas« (1991) oder »Weit Weit Weg« (1995) legt Melhus seinen Arbeiten Sequenzen aus bekannten Filmen, meist der 60er oder 70er Jahren, zugrunde; hier dienten als Ausgangsmaterial »The Wizard of Oz« mit Judy Garland bzw. ein Dialog aus dem Western »Der gebrochene Pfeil« mit James Stewart. In »Silvercity I+II« bediente sich Melhus Originaltönen aus dem Film »Billy the Kid«, aus denen er einen fiktiven Dialog bildete und diesen zwei Astronauten, die in ihrer Kapsel im All kreisen bzw. zwei Cowboys am Lagerfeuer, in den Mund legte.
Während die eine Sequenz die heile Welt des Männerfreundschaften glorifizierenden Westernmythos suggeriert, vermittelt der gleiche Dialog in der Astronautenkapsel nunmehr Kälte und Distanz.

In dieser Arbeit von 1999 wird bereits Melhus’ zunehmende Hinwendung zum Bestreben, globale, gesellschaftspolitische Zusammenhänge zum Ausdruck zu bringen, deutlich sichtbar.

Videoinstallation (Farbe, Ton); 7'17", Loop


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