Emmanuelle Antille :
    Radiant Spirits, 2000

Emmanuelle Antilles Videoinstallation »Radiant Spirits« besteht aus fünf Teilen. Auf einem vor dem eigentlichen Projektionsraum stehenden Monitor werden, sozusagen als Einführung, statische Aufnahmen eines alten, vornehmen Hotels gezeigt, Raumfluchten, Gänge, Treppenhäuser und Eingangshalle. Die Bewohner des Hotels, die ja an diesem Ort stets nur eine Nacht oder wenige Tage verweilen, sind nicht zu sehen, sondern werden lediglich durch Schatten auf Wänden und Decken präsent. Den Soundtrack bilden die Geräusche des Hotels, hin und wieder unterbrochen von einem Rauschen, das an den Senderwechsel im Radio erinnert. Der Wechsel von Raum zu Raum wird hier gleichsam auch akustisch verdeutlicht.
Betritt der Betrachter den eigentlichen Projektionsraum, so findet er sich unvermittelt als Voyeur wieder, der Einblick in die Hotelzimmer bekommt. Auf drei über Eck angebrachten Projektionsflächen werden zeitgleich ablaufenden Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Wir werden Zeuge des Geschehens, das sich in einer Mischung aus Orgie, Party und Ritual vollzieht. Elegant gekleidete junge Männer und Frauen, vorwiege nd in Schwarz, sitzen und liegen im Salon einer Hotelsuite. Die Frauen tragen teilweise nur Unterwäsche, sind halb nackt oder dabei, sich zu entkleiden. Trotz der erotischen Thematik wirken die Szenen unterkühlt und distanziert.
Im Projektionsraum stehen zwei Chaiselonguen, von denen aus der Betrachter das Geschehen beobachten kann. Daneben befindet sich je eine Videobrille, welche ähnliche Szenen wie die auf der Projektionsfläche zeigt.
Emanuelle Antilles Drehbuch ist in Form eines Traumtagebuchs verfasst. Der Traum einer Frau namens Diana bildet so die Rahmenhandlung für die Ereignisse, sie selbst taucht im Film als Randfigur auf, die das Geschehen beobachtet, jedoch selbst keinen Zugang erhält. Diana wird somit zugleich zur Identifikationsfigur für den Betrachter. Die Aufnahmen zu Radiant Spirits entstanden mit professionellen Schauspielern in einem Hotel in Zürich.

Wie bereits in einigen vorausgegangenen Arbeiten erscheint in Radiant Spirits die Inszenierung geheimnisvoller Rituale als Strategie im künstlerischen Schaffen Antilles. Mit ihrer jüngsten Arbeit »Angels Camp« vertritt sie die Schweiz im Jahr 2003 auf der Biennale von Venedig.

Radiant Spirits Radiant Spirits

Videoinstallation (Farbe, Ton); 9'06" - 16'37"

 


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