Santiago Sierra :
    Línea de 250cm tatuada sobre seis personas remuneradas. 250 cm line tattoed on six paid people. Linie von 250 cm Länge auf sechs bezahlte Personen tätowiert. Espacio Aglutinador. La Habana Diciembre de 1999, 1999

Die Erzeugung gesellschaftlicher Dynamikien und die Entlarvung damit einhergehender politischer Entwicklungen sind immer wiederkehrende Elemente in den Arbeiten des mexikanischen Künstlers Santiago Sierra. Seine Aktionen greifen direkt in das Leben ein und beziehen sich stets auf den gesellschaftlichen Alltag mit dem Ziel, die Wahrnehmung für Missstände und soziale Ungleichheiten zu schärfen. Sierras Arbeiten lassen etwas von der Verzweiflung der Menschen in der Dritten Welt erahnen, die für etwas Geld bereit sind, menschenunwürdige Arbeiten zu verrichten.

So werden in Sierras Videodokumentationen tonnenschwere Betonblöcke mit primitiven Hilsmitteln hin- und hergefahren, die Menschen masturbieren in der Öffentlichkeit, sie halten eine Galeriewand stundenlang im selben Winkel, usw. Den Vorwurf des Ausbeutens weist der Künstler von sich - den Kapitalismus mit seiner Entfremdung des Menschen durch die Lohnarbeit betrachtet sei eine Art "ewiger Verdammnis, die dem Menschen auferlegt wurde."

Mit 30 Dollar entlohnte er in Havanna sechs Männer, die sich, aneinandergereiht, eine Linie auf den Rücken tätowieren ließen. Aus dieser Dokumentation wurde die Arbeit »Linea de 250 cm tatuada sobre seis personas remunerades«, die nicht das Kunstwerk an sich in den Mittelpunkt stellt. Gegenstand ist vielmehr die Bedingung seiner Herstellung und der Weg, unter Einsatz minimaler Mittel ein für den Kunstbetrieb adäquätes Produkt zu schaffen. Sierra demonstriert auf empfindliche Art und Weise, wie ein gesellschaftliches System und dessen Ordnungsgefüge unterwandert und erheblich gestört werden können.

Línea de 250cm tatuada sobre seis personas remuneradas. 250 cm line tattoed on six paid people. Linie von 250 cm Länge auf sechs bezahlte Personen tätowiert. Espacio Aglutinador. La Habana Diciembre de 1999

Videoinstallation (Farbe, ohne Ton); 60'

 


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