Rosemarie Trockel :
    Manus Spleen IV, 2002

Den hintergründigen Arbeiten der 1952 in Schwerte geborenen Künstlerin liegt das feinsinnige Spiel mit scheinbar oberflächlicher Opportunität und des ad- absurdum-führens derselben zugrunde. Nicht zuletzt deswegen avancierte Rosemarie Trockel seit ihren ersten Ausstellungen Anfang der 80er Jahre zu einer national und international anerkannten Künstlerin. 1997 errichtete sie auf der documenta X das zusammen mit Carsten Höller konzipierte »Schweinehaus«, 1999 gestaltet sie auf der Biennale in Venedig den deutschen Pavillion. Zahlreiche Gruppenausstellungen und in Hamburg, London, Stuttgart und Marseille gezeigte Einzelausstellungen zeugen von der Bedeutung des Werkes Trockels für die zeitgenössische Kunst.

»Manus Spleen IV« geht eine Reihe von Kurzfilmen voraus, die episodenartig von den kleinen Macken einer Freundin der Künstlerin erzählen: So sehen wir Manu, wie sie in einem offenen Grab liegt, wie Manu im Kampf gegen die Schließung des Kölner Kunstvereins und der Kunsthalle täig wird oder wie Manu auf einer Party einen vermeintlichen Babybauch, der aus einem Luftballon besteht, platzen läßt. Im vierten Teil schießlich ist Manu vor dem Hintergrund einer Theaterkulisse als Mutter Courage zu sehen, als die Frau, die in Brechts Stück ihre Kinder durch den Krieg verliert, den sie selbst fördert und dessen Abschaffung sie nicht wünschen kann, da er ihre Existenz sichert.

Ebenfalls mit der Erforschung von Identitätskonstrukten, jedoch auf eine weitaus subtilere Art, setzt sich Rosemarie Trockels Arbeit »Julia, 10-20 Jahre«, auseinander. Der Betrachter sieht sich einem Mädchen gegenüber, das sich quasi vor seinen Augen allein durch die Veränderung seines Tonfalls oder durch das Lösen der Haarzöpfe von einem kleinen Kind in eine erwachsene Frau zu verwandeln scheint. Trockel möchte mit ihren Arbeiten jedoch weder feministische Zuschreibungsmuster noch den vielzitierten Selbstverwirklichungsanspruch von Frauen kritisieren; sie geht noch einen Schritt weiter, indemsie patriarchale wie feministische Ideologisierungen gleichermaßen aufdeckt.

Video (Farbe, Ton)


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