Matthew Barney :
    Cremaster Zyklus,

Der »Cremaster-Zyklus« (35 mm, Farbe und Dolby SR) ist im Rahmen des Eröffnungswochenendes der Ausstellung »fast forward« zum ersten Mal komplett im ZKM Karlsruhe zu sehen.

Matthew Barney (geb. 1967 in San Francisco) hat sich mit einer ganz eigenen, von Metaphern und Symbolen bestimmten Bildsprache in der internationalen Kunstszene einen Namen gemacht. Seine Filme und Skulpturen sind geprägt von hybriden, mythischen Erzählstrukturen und Motiven, die ein kompliziertes und in sich geschlossenes ästhetisches System ergeben.

Im »Cremaster-Zyklus«, dem fünfteiligen Filmepos des Künstlers, entwirft Barney mit Bezug auf legendäre Figuren wie den amerikanischen Footballstar Jim Otto, den Entfesslungskünstler Harry Houdini oder den Doppelmörder Gary Gilmore, ein stark monumentalisiertes und in symmetrischer Strenge arrangiertes Phantasiewerk. 1994 entstand »Cremaster 4« als erster Teil der Werkreihe. Eine chronologische Reihenfolge vermeidend, hat Barney danach »Cremaster 1« (1995), »Cremaster 5« (1997) und »Cremaster 2« (1999) gedreht. Der knapp dreistündige »Cremaster 3« (2001) ist bisher nur selten öffentlich gezeigt worden.

Cremaster - ein medizinischer Begriff für den Muskel, der den Hoden den jeweiligen Temperaturen entsprechend anhebt oder absenkt - steht dabei als Bild für den Konflikt mit der Willenskraft, die den Muskel nicht kontrollieren kann. Barney erfindet dafür surreale Bilderwelten aus verschwenderischer Fülle und strenger choreografischer Präzision. Intensive Bilder aus Körperinszenierungen und aufwendigen Kostümen verweben Themen aus Sport, Medizin, Biologie, Sexualität, Geschichte und Mythologie miteinander. Zusammen mit den sorgfältig ausgesuchten Schauplätzen, dem opulente Gellert-Bad in Budapest oder dem Sportstadion von Boise in Idaho, und den skulpturalen Bühnenrequisiten aus ungewöhnlich sinnlichen Materialien wie Wachs, Vaseline und Salz, wie der aus Vaseline geformte Nachbau einer berühmten Bar aus dem Chrysler Building oder eine aus Salz aufgeworfene Arena erschaffen ein metaphorisches Universum über das System der organischen Reproduktion.

 


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