Stimme als Medium
ZKM l Museum für Neue Kunst
18. September 2004 l 18 Uhr
------------------------------------
Pressekonferenz:
17. September 2004 l 10 Uhr
[Presseinformation]
------------------------------------
Öffnungszeiten:
Lichthöfe 1 + 2
Mi-Fr 10-18 Uhr
Sa-So 11-18 Uhr
Mo+Di geschlossen
[mehr]
------------------------------------
Begleitprogramm:
Ein Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung (Film, Radio, Literatur, Diskussion). Detaillierte Informationen können ab September auch über unser Info-Telefon unter 0721 - 8100 1200 abgerufen werden.
[mehr]
------------------------------------
Öffentliche Führungen:
für Einzelpersonen und Familien finden samstags um 15 Uhr und sonntags um 13 Uhr und um 15 Uhr (als Themenführung) statt. Treffpunkt: Kasse | Infotheke (Anmeldung nicht erforderlich)
EUR 2,10 + Eintritt
------------------------------------
Unterrichts-/ Gruppen-/ Private Führungen:
Anmeldung erforderlich,
fuehrungen@zkm.de,
Tel.: +49 (0)721/8100-1990
Für Institutionen, Firmen, Schulklassen und private Gruppen bieten wir eine Einführung in die Konzeption der Ausstellung, einen Überblick über ihre Themen sowie die Vorstellung ausgewählter Projekte und Stimmen in fast allen europäischen Sprachen. Zur Ausstellung Phonorama werden Unterrichtsführungen (für die Unter-, Mittel- und Oberstufe) zur Medien und Kulturgeschichte der Stimme angeboten. Kosten: EUR 61,40 | Schulen: EUR 40,90 | am Wochenende | in Fremdsprachen: EUR 66,50 zzgl. Eintritt – maximal 20 Teilnehmer
[mehr]
------------------------------------

Phonorama –
Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium
Die menschliche Stimme auszustellen scheint ein paradoxes Unterfangen. Was an Stimme und Hören sichtbar gemacht werden kann, sind zunächst Symbole, Lautschriften, anatomische Modelle, Sprechmaschinen, technische Geräte vom seltenen Phonographen bis zum stimmgesteuerten Navigationssystem. Was aber die erlebte und gehörte Stimme faktisch erzeugt, ist der Raum unserer Wahrnehmungswelt. Für das unmittelbare Raumerleben ist der »gehörte Raum« zumindest so konstitutiv wie der durch das Auge wahrgenommene.
In der Ausstellung zu hören sind u. a. Bestände aus Stimmarchiven in Berlin oder Wien, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts »Stimmporträts« bedeutender Persönlichkeiten angelegt haben. Stimmliche Experimente werden vorgestellt, die Lautdichter, Schauspieler bzw. Performance-Künstler umgesetzt haben, um die Bedeutung eines gesprochenen Textes über seinen bloßen sprachlichen Gehalt hinaus vokal zu erweitern und zu profilieren. Hören wird man auch die ersten Versuche, Stimmen künstlich herzustellen, so zum Beispiel die Stimme aus der Sprechmaschine des Wolfgang von Kempelen (1734-1804), eines hohen Beamten am Hofe Maria Theresias. Mit seiner Maschine wollte er gehörlosen Menschen zu einem Instrument verhelfen, Lautsprache zu erzeugen.
Vernehmen wird man auch die eindringliche Stimme von Ingeborg Bachmann, die in ihren Frankfurter Vorlesungen das »schreibende Ich« als »Platzhalter der Stimme« beschreibt. Die singende Stimme vermittelt, wie sehr die sich laufend ändernden Möglichkeiten von Aufzeichnungs- und Studiotechnik auch die ästhetische Stimmwahrnehmung prägen. Seltene Beispiele aus der beginnenden Schallplattenindustrie bis zu aktuellsten Technologien veranschaulichen die Manipulationsmöglichkeiten menschlicher Stimmen. In der Ausstellung akustisch vergegenwärtigt sind auch jene Experimente, die Stimmen Verstorbener einzufangen und hörbar zu machen. Beispiele aus dem europäischen Kirchengesang - von der Faszination für die hohe Männerstimme vatikanischer Kastraten bis zur Bassstimme Maxim Mikhailovs - sowie Ausschnitte aus bald 100 Jahren Radiogeschichte illustrieren die erstaunlichen Möglichkeiten stimmlicher Darbietungen.
Die Gestaltung der Ausstellung ist unkonventionell. Ein gleichsam akustischer Film wird erzeugt, der die dargebotenen Stimmen verräumlicht, die Besucher durch die Ausstellungsräume begleitet und so eine Raumwahrnehmung ermöglicht, die von der Umgebung, die sonst vor allem über das Auge wahrnehmbar ist, überraschend abweicht.
Zu sehen sein werden Sprechmaschinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert; kostbare Phonographen; die ersten sprechenden Puppen und Gegenstände; Instrumente und Messgeräte, die menschliche Artikulation und Stimmbildung beschreiben und rekonstruieren; Dokumente aus frühen Expeditionen, die den ersten Kontakt mit europäischen Sprechmaschinen voyeuristisch verfolgen. Dargestellt wird auch die geheimnisvolle Bedeutung der Bauchrednerei, so zum Beispiel der legendäre Edgar Bergen, der mit der Stimme, die er seiner berühmten Puppe Charlie McCarthy lieh, konservative Moralvorstellungen geschickt zu unterlaufen wusste. Eine Auswahl kostbarer Druckwerke dokumentiert die Geschichte der Gehörlosenerziehung. Nicht zuletzt sind die Versuche erwähnenswert, stimmliche Ausdrucksmöglichkeiten zu notieren: das Spektrum reicht von mittelalterlichen Spruchbändern über die politische Karikatur bis zu aktuellen Beispielen aus der Comic-Literatur oder den Notationssystemen zeitgenössischer Musik.
Der Bogen der ausgestellten Stimmen und Objekte reicht bis zu innovativen Projekten und Prototypen, die sich mit Stimmsynthese und stimmlichen Steuerungen auseinandersetzen, und stellt diese in einen Kontext technischer Faszinationsgeschichte. In der Ausstellung vertreten sind künstlerische Arbeiten und Installationen u.a. von Judith Barry, Joseph Beuys, Christian Boltanski, Marcel Broodthaers, Carlfriedrich Claus, Jonah Brucker-Cohen, Gustav Deutsch, VALIE EXPORT, Asta Gröting, Pierre Huyghe, Zachary Lieberman und Golan Levin, Katarina Matiasek / Scanner, Tony Oursler, Guillaume Paris, Dieter Roth und Gerhard Rühm.
Kuratiert wird die Ausstellung von Brigitte Felderer.
Es erscheint ein Katalogbuch in deutscher Sprache bei Matthes & Seitz
Berlin zum Preis von 28,40 € (ZKM-Shop
während der Ausstellung); im Buchhandel und nach Beendigung der Ausstellung:
34,80 €.
ISBN: 3-88221-844-4
© 2004 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ::

