Open Circuits
Das arte-Logo steht in leuchtendem Pink in einem gläsernen Atrium.
25.09.2019 – 15.11.2019

Bitte beachten Sie: Die Ausstellung ist nur auf Anfrage zugänglich. 

Die in Kooperation mit dem ZKM realisierte Ausstellung »Open Circuits« im Atrium von ARTE zeigt zwei Kunstwerke im Dialog: »Wipe Cycle« von Frank Gillette und Ira Schneider und »YOU:R:CODE« von Bernd Lintermann und Peter Weibel.

Beide Werke referieren auf den von Medien durchdrungenen Alltag und auf die Gefahren und Potenziale der Mediennutzung. Die Ausstellung spannt den Bogen zwischen den utopischen Forderungen der 1960er-Jahre und den Herausforderungen der medial geprägten Gegenwart.

Die 1969 geschaffene Video-Installation »Wipe Cycle« steht für eine Epoche, in der das Fernsehen seinen Siegeszug feierte. Die Künstler Frank Gillette und Ira Schneider wollten den einseitigen Informationsfluss und die Hegemonie der kommerziellen Fernsehindustrie durchbrechen und hatten sich als Ziel gesetzt, RezipientInnen zum Teil des Informationsflusses zu machen. Als Mitglieder des Videokollektivs Raindance Corporation (1969 gegründet und 1971 in Raindance Foundation umbenannt) haben sie unter anderem den Begriff der »Medienökologie« geprägt, der die Umwelt als Informationsverarbeitungssystem mit Berücksichtigung der technischen, psychologischen und ästhetischen Aspekte als Ganzes beschreibt. Ihre Forderungen nach Zugänglichkeitsmachung der Informationswerkzeuge, um den Konsumenten wieder Kontrolle über ihr Leben zurückzugeben, machten die Mitglieder der Raindance Corporation zu Wegbereitern der digitalen Mündigkeit. »Wipe Cycle« nimmt viele Fragestellungen des digitalen Zeitalters vorweg.

»Wipe Cycle« wurde zu einer der ersten Video-Installationen, in der sich die BesucherInnen selbst auf dem Monitor sehen konnten, live und als eine zeitverzögerte Übertragung des eigenen Abbilds. Diese Bilder wechselten sich mit dazwischen geschalteten Fernsehsendungen und vorab aufgenommenen Videos ab. Die durch den kybernetischen Gedanken beeinflusste Einbeziehung des Besuchers in das Werk spannt den Bogen zum 2017 im Rahmen der Ausstellung »Open Codes« entstandenen Werk »YOU:R:CODE« von Bernd Lintermann und Peter Weibel. Der Werktitel ermöglicht eine doppelte Lektüre. Die Leseart »your code« weist auf die Transformation des eigenen Abbildes in der Installation hin: Von der Reflexion im analogen Spiegel wird das Abbild mehr und mehr zu einem Datenkörper. Die zweite Leseart »you are code« verweist auf die Tatsache, dass wir selbst aus Code bestehen (der genetische Code bildet den Algorithmus des Lebens), der uns in lesbare Objekte für DatenanalystInnen und künstliche Intelligenzen umwandelt.

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