The Data and the Sovereign
Installation Hasan Elahi »Steale«
16.01.2020 – 09.02.2020

Daten werden gemessen, gesammelt, analysiert, interpretiert, abgebaut, in die Cloud übertragen und gespeichert. Daten gelten als »groß«, wenn sie praktisch unzählbar sind und wurden oft als das »Öl« des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Daten sind zwar eine Ressource, aber keine natürliche, obwohl der Umgang mit ihnen einen erheblichen ökologischen Fußabdruck hat und derzeit verschiedene Landschaften bildet.

Die zunehmende Allgegenwart der Daten ist abhängig von der planetarischen Größenordnung der Berechnung und umgekehrt. Die Digitalisierung und die ständige Weiterentwicklung der Datenspeichertechniken erhöhen ihr Vorhandensein, ihre Nutzung und als direkte Folge ihren Missbrauch.

Jenny Holzers »Truisms« (1977-1979), die zu einen der legendären feministischen Konzeptkünstlerinnen zählt, wurde Ende der 1970er Jahre auf den Straßen von New York gezeigt. Diese politischen Botschaften, wie »Machtmissbrauch kommt nicht überraschend«, erschienen auf T-Shirts oder Plakaten; sie tauchten bewusst im öffentlichen Raum auf, nicht in institutionellem Kunstkontext. Holzer produzierte zahlreiche Variationen von »Truisms«, man könnte auch sagen, einen großen Datensatz von Phrasen, die nun von Design-Algorithmen verarbeitet und auf T-Shirts oder Pullovern platziert und auf Online-Handelsplattformen bereitgestellt werden. Die Variationen sind unzählig; die Software-Agenten begrüßen Aneignungen und Paraphrasen und sammeln und verbreiten endlos mögliche Muster. So ist es einfach, ein Kleidungsstück zu bekommen, das Variationen von »Truisms« trägt, wie den Slogan »Missbrauch von Daten kommt als keine Überraschung«, der von Kate Crawford und Maral Pourkazemi nach Jenny Holzer geprägt wurde.
Wir neigen dazu, Daten als neutrale und objektive Rohstoffe zu betrachten, die zur Kategorisierung, Messung und Modellierung der Welt, in der wir leben, produziert werden. Die Daten sind jedoch seit jeher durch interpretative Rahmenbedingungen und durch die verwendeten Erfassungsprozesse und -techniken geprägt. Wer erstellt den Eingabemechanismus und die Frameworks und wer kontrolliert die Datenbank?

Auf der Seite der Nutzer wird die Überwachung und Quantifizierung des Selbst als eine absolut normale Aktivität angesehen. Fitness, Gesundheit und Schlaf-Tracking wurde von Technologieunternehmen vorangetrieben und durch zwanghafte Selbstoptimierungstendenzen unterstützt, obwohl Fitness-Tracker genau die gleichen Kennzahlen messen wie Polygramme. Die Messdaten werden direkt an private Unternehmen gesendet, die diese Informationen sehr wohl kopieren und mit anderen teilen und die Daten zu ihrem eigenen Nutzen nutzen könnten.

Der Missbrauch von Daten ohne Zustimmung der Quelle ist keine Überraschung mehr. Verschiedene skandalöse Fälle haben in den Medien für große Aufmerksamkeit gesorgt und Beispiele für Missbrauch sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor nachgewiesen. Die bekanntesten Vorfälle in Europa stammen aus dem englischsprachigen Raum, vor allem aus den USA. Die Enthüllungen von Edward Snowden über die Praktiken und Protokolle der National Security Agency nach dem 11. September 2013 beeinflussen immer noch die öffentliche Meinung und haben viele Menschen unsicher gemacht, ob sie dem Umgang von staatlichen Geheimdiensten mit ihren personenbezogenen Daten vertrauen können. Und wenn wir dachten, dass diese öffentliche Institution jetzt als Feind der Privatsphäre identifiziert wurde, dann hatten wir ein böses Erwachen, als wir feststellten, dass Facebook und Cambridge Analytica zusammengearbeitet hatten, um die Wähler durch gezieltes Marketing in sozialen Medien zu beeinflussen. Selbstredend, ohne die Zustimmung der Empfänger. 

The Data and the Sovereign ist ein assoziiertes Projekt der 26. Biennale des Designs Ljubljana »BIO26 - Common Knowledge«. 

 

Impressum
KünstlerInnen

Kim Albrecht, DISNOVATION.ORG, Hasan Elahi, Geraldine Juárez, Maral Pourkazemi und Kate Crawford (in Kooperation mit Deep Lab)

Organisation / Institution
»The Data and the Sovereign« ist eine Co-Produktion des ZKM | Karlsruhe und des Goethe-Instituts Ljubljana und BIO 26| Common Knowledge. Die Ausstellung wird von der Stadt Ljubljana, Galerie Kresija, unterstützt.