Magdalena Jetelová

Geburtsjahr, Ort
1946, Semily, Tschechische Republik
Rolle am ZKM
Künstler/in der Sammlung
Biografie

Magdalena Jetelova wurde 1946 in Semily geboren. Von 1965-67 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in Prag, anschließend bis 1968 an der Accademia di Brera in Mailand bei Marino Marini, bevor sie 1971 ihre Studien in Prag beendete. Sie emigrierte 1985 in die Bundesrepublik Deutschland und erhielt 1988 eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1989 wurde sie mit dem Kunstpreis der Stadt Darmstadt und 1997 mit dem Robert Jacobsen Preis der Stiftung Würth ausgezeichnet. Seit 1990 ist sie Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf und seit 1993 Ehrenmitglied der Akademie der Künste in Berlin. Sie lebt in Bergheim.
 
Die Skulpturen Magdalena Jetelovas haben elementare Gegenstände aus dem alltäglichen Umfeld zum Thema: Tische, Stühle, Treppen. In großen, zuweilen kolossalen, grob bearbeiteten Holzskulpturen monumentalisiert und verzerrt sie die Formen und führt so die ursprüngliche Funktion ad absurdum: Stühle beginnen zu schreiten, Treppen stürzen ins Leere und Häuser sind nicht bewohnbar. Jetelova gehört im Prag der siebziger Jahre zu einer kleinen Avantgardeszene, die in Privaträumen, Ateliers, Hinterhöfen oder in der freien Natur ausstellt. Ihre Arbeiten sind seitdem stets raumbezogen, indem sie auf die jeweils vorgegebene Situation reagiert. Durch Teilungen, Lichtprojektionen und Trennungen überwindet sie die Raumgrenzen und löst geschlossene Formen auf. Seit 1986 experimentiert sie mit Licht- und Laserprojektionen in der Natur. So projiziert sie 1986 einen gebündelten Lichtstrahl in der Form eines Stuhls in einen nächtlichen Wald und schafft damit die Illusion einer Skulptur aus Licht und Holz. 1992 visualisiert sie im »Iceland Project« mit einem Laserstrahl die geologische Nahtstelle in Island zwischen Europa und Amerika. Die fotografische Dokumentation von Projekten und Aktionen ist neben den begleitenden Zeichnungen und Skizzen integraler Bestandteil ihrer Arbeit.
 
Einzelausstellungen (Auswahl)
 
1979 Divadlo v Nerudovce, Prag
1984 Galerie Walter Storms, München
1985 Riverside Studios Serpentine Gallery, London
1986 Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
1987 The Museum of Modern Art, New York
1988 Hamburger Kunsthalle, Hamburg
1990 John Weber Gallery, New York
1992 »Domestizierung einer Pyramide«, MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien
1993 »lceland Project«, Belveder, Prag, anschließend Galleria Belvedere, Mailand
1994 »Translocation«, Kunstverein Hannover; Forum Kunst, Rottweil
1995 Galerie Harthan, Stuttgart; Galerie Lippke, Frankfurt/M
1996 »Translocation Il«, Institut Mathildenhöhe, Darmstadt
1997 »Zwischen den Stühlen«, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
 
Gruppenausstellungen (Auswahl)
 
1971 »Portrét«, Galerie Manés, Prag
1982 »Der Stuhl im 20. Jahrhundert«, Kunstgewerbemuseum Prag
1983 »8 Künstler aus Prag«, Künstlerwerkstätten Lothringer Straße, München; »New Art«, Tate Gallery, London
1985 »Kunst mit Eigensinn«, Museum des 20. Jahrhunderts, Wien
1987 documenta VIII, Kassel
1988 »II Künstlern II Räume«, Schloss Morsbroich, Leverkusen
1991 »Skulpturale Ereignisse«, Kunsthalle Düsseldorf
1993 »Mediale«, Deichtorhallen, Hamburg
1994 »Europa, Europa. Das Jahrhundert der Avantgarde in Mittel- und Osteuropa«, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn; »Celebrate Prag in New York«, The World Financial Center, New York
1995 »Riss im Raum«, Martin-Gropius-Bau, Berlin
1996 »Freedsculptur«, Ludwig Forum, Aachen

[David Richardt, 1997]