Experiments in Arts and Economics

Rote Kurse auf blauem Hintergrund
Dauer
2021

Eine Konferenz von In4Art und dem ZKM | Karlsruhe 01.–09.05.2021

VertreterInnen zweier scheinbar entlegener Felder unter einem Dach zusammenzubringen und es als Experiment zu bezeichnen, ist nicht beispiellos. Besonders wenn es zu einem kritischen Punkt in der Geschichte kommt, sind Interventionen, die Gesellschaften zu ontologischen Verschiebungen führen, unvermeidlich. In solchen akuten Momenten sollten verschiedene Disziplinen und die Kulturen, in die sie eingebettet sind, zusammengeführt werden und die Chance erhalten, miteinander in Dialog zu treten. 

Vor mehr als fünfzig Jahren hat das Zusammenwachsen der »zwei Kulturen« der Technologie und der Künste, für lange Zeit getrennte Segmente des intellektuellen Lebens der westlichen Gesellschaft, eine dritte Kultur hervorgebracht. Neben anderen Initiativen förderten die Experimente des Kunst und Technologieprogramms (E.A.T.), 1967 von Künstler Robert Rauschenberg und Laserforschungsphysiker Billy Klüver von Bell Labs gegründet, die Zusammenarbeit von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und IngenieurInnen.

Die Tätigkeiten des E.A.T. brachten viele der bekannten performativen Kunstströmungen der damaligen Zeit, wie etwa die Performance-Kunst, experimentelle Geräuschmusik, Happenings und Aktionen, mit Technik, Informationstechnologie und Informatik hervor.

Im einundzwanzigsten Jahrhundert zeigt sich eine andere Dringlichkeit: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssen überdacht und neu konzipiert werden. Im zwanzigsten Jahrhundert sahen wir den Aufstieg von mindestens zwei Seiten des wirtschaftlichen Mainstream-Denkens: das neoklassische Wirtschaftskonzept mit der Vorstellung des Menschen als rationalem Akteur, der optimale Entscheidungen trifft und die neoliberale Idee eines Strebens nach endlosem Wirtschaftswachstum. Wir brauchen dringend Alternativen zu beiden Konzepten, um jetzt und in naher Zukunft koexistieren zu können. Die Finanzkrise von 2008 und die aktuelle Klimakrise haben der Welt gezeigt, dass eine Rückkehr zur Normalität unmöglich ist, da eben diese Normalität, genau das Problem darstellte.

Ein systemischer Wandel ist unvermeidlich, und sowohl ÖkonomInnen als auch KünstlerInnen lenken die Aufmerksamkeit auf Fragen, die wir als Gesellschaften bald beantworten müssen, um nachhaltig zusammenleben zu können: Wie wird eine Gesellschaft distributiver und regenerativ? Was können wir tun, um ökologische Grenzen einzuhalten? Wie sollten sich unsere Wertvorstellungen ändern und wie werden neue Unternehmensarten, basierend auf neuen Formen der Zusammenarbeit, möglich werden? Wie kann man unsere wirtschaftliche Denkweise umgestalten, um Raum für neue Ideen zu schaffen?

Vor diesem Hintergrund haben das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe und die kunstorientierte, verantwortungsbewusste Innovationsorganisation In4Art Rotterdam beschlossen ihre Kräfte zu bündeln und ein experimentelles Programm für zukunftsorientierte KünstlerInnen und angesehene WirtschaftswissenschaftlerInnen ins Leben zu rufen, um sich auf eine neue Form der Zusammenarbeit einzulassen.

 

Struktur

Eine kleine, aber vielfältige Gruppe wirtschaftlicher und künstlerischer DenkerInnen kommt für eine Woche, vom 1. bis 9. Mai 2021 am ZKM | Karlsruhe zusammen. Zusammen mit einem Kurator des ZKM und den GründerInnen von In4Art, wird die Gruppe an der Entwicklung neuer kollaborativer Ideen und Konzepte an der Schnittstelle von Kunst und Wirtschaft arbeiten. Das Programm widmet sich vertiefenden Diskussionen zwischen den TeilnehmerInnen, sodass ihre Ideen zu neuen unternehmerischen Vorschlägen für das einundzwanzigste Jahrhundert verschmelzen. Es besteht aus einer Mischung aus Gemeinschaftsdiskussionen, Einzelsitzungen und Arbeits- oder Prototyping-Sitzungen rund um gemeinsame Ideen. Am Ende der Woche werden verschiedene Konzepte entstanden sein. Die Konferenz schließt mit einer öffentlichen Veranstaltung im ZKM | Karlsruhe, um die Ergebnisse zu präsentieren und zu diskutieren.

 

Angestrebte Ergebnisse

  • Ein Abendseminar im ZKM | Karlsruhe am letzten Abend der Konferenz
  • Ein gemeinsamer Artikel oder Essay, der zur Veröffentlichung in Wissenschafts- und Kunstjournals bestimmt ist
  • Ein Folgeseminar oder eine Präsentation bei einer anderen führenden Institution in Europa
Impressum
Projektteam

Felix Koberstein: Projektkoordination
Ludger Brümmer: Künstlerischer Berater
Mitwirkende KünstlerInnen: RYBN.ORG, Martin Nadal, Cesar Escudero Andaluz
Mitwirkende ÖkonomInnen: Carlota Perez, Stefano PuntoniNancy Bocken

 

Kooperationspartner