Kunst-Raum-Schiff

Kunstgeschichtliche Feldforschung in den Archiven des ZKM | Karlsruhe

Kunst-Raum-Schiff – MS Stubnitz - 1993
Dauer
2020

Das Seminar »Kunst-Raum-Schiff« ist eine Kooperation zwischen dem KIT | Institut für Kunst- und Baugeschichte und dem ZKM | Karlsruhe.

Seminarleitung: Dr. Inge Hinterwaldner (KIT | Institut für Kunst- und Baugeschichte), Felix Mittelberger (ZKM | Karlsruhe)

Ausgangspunkt ist das Projekt »Stubnitz Kunst-Raum-Schiff«: Von 1991 bis 1994 arbeitete eine internationale Künstlergruppe in Rostock an der Konvertierung eines ehemaligen Hochseefischfangschiffs von 80 Metern Länge in ein mobiles multimediales Labor und eine Veranstaltungsplattform. Im Sommer 1994 gelang es den Stubnitz-Betreiber*innen, die Baltic Tour 94 zu verwirklichen, mit einer dreimonatigen Tour nach St. Petersburg, Malmö und Hamburg. Das Vorhaben war in seiner Planung und Ausführung ein Netzwerkprojekt. Nur durch die Kooperation mit zahlreichen Partner*innen konnte es verwirklicht werden und eines der Hauptziele des Projekts war, Vernetzungen herzustellen – interdisziplinäre Vernetzungen zwischen verschiedenen künstlerischen, technologischen, wissenschaftlichen Disziplinen; interkulturelle Vernetzung als mobile, internationale Plattform für Kulturaustausch; und nicht zuletzt technologische Vernetzung auf Basis eines 64 kbit Satellitenlinks am Schiff mit Anbindung für Telefon, Fax und Internet.

Das »Stubnitz Kunst-Raum-Schiff« beruhte darauf, dass sich eine große Zahl an Menschen verschiedener Herkunft und sozialen und kulturellen Hintergrunds aktiv einbrachte: Künstler*innen, Schriftsteller*innen, Medienproduzent*innen, Musiker*innen, kulturelle Institutionen, Seeleute, nautische Ingenieur*innen, Hafenbehörden, Kulturfördereinrichtungen, Handwerker*innen, Techniker*innen, Fachleute und freiwillige Helfer*innen, die alle in ihrer Weise wichtige Elemente beitrugen. 

So gestaltete der österreichische Medienkünstler Armin Medosch (1962-2017) zusammen mit Urs Blaser, René Römert und Antonia Neubacher ein dezidiert europäisches und experimentelles Unterfangen, das kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, neugierige Blicke von Kunstschaffenden, Musiker*innen, Aktivist*innen und jungen Leuten vom Westen in den Osten und umgekehrt erlaubte. Kinetische und elektronische Kunst trafen auf dieser selbstbezeichneten »Medienarche« auf installative Arbeiten oder Tafelmalerei, auf Konzerte und Performances.

Im Seminar wurden die auf der Schifffahrt entstandenen Dokumentationsvideos ausgewertet und wissenschaftlich erschlossen. In diesem Rahmen erhalten die Studierenden Einblick in zentrale Bereiche archivischer Tätigkeiten. Anhand und mit Hilfe der Archivdatenbank werden ihnen archivische Verzeichnungs- und Erschließungstechniken vermittelt. Die Studierenden sichten die audiovisuellen Quellen des Archivbestandes, identifizieren Personen, Orte, Ereignisse und Werke und setzen diese untereinander in Zusammenhang. Sie leisten hierbei wertvolle Grundlagenforschung und machen die Quellen dadurch für die weitere wissenschaftliche Nutzung zugänglich. Anhand der audiovisuellen Primärquellen und unter Zuhilfenahme von Archivalien aus dem Bestandskontext rekonstruieren die Studierenden hier ein Stück zeitgenössischer Kunstproduktion aus der Prä-WorldWideWeb-Ära, für die es, neben den im Archiv vorliegenden audiovisuellen Bändern, nur wenige Textquellen gibt.

Die archivischen Quellen stammen aus dem Nachlass Armin Medosch. Der Bestand umfasst den vollständigen persönlichen Nachlass des Künstlers, Medientheoretikers, Kurators und Journalisten, darunter Korrespondenz, Typoskripte, Fotografien und Skizzen sowie Video- und Audiobänder auf etwa sieben laufenden Metern.

Projektteam

Christian Haardt, Ioana Spanachi

Mitwirkende KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen