Terrestrische Universität: Oceans in Transformation
Eine Luftaufnahme des Meers.
mit John Palmesino, Ann-Sofi Rönnskog, Markus Reymann, Francesca Thyssen-Bornemisza, Bruno Latour, Peter Weibel und Bettina Korintenberg
Do, 30.07.2020, 17:00 Uhr
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Der Ozean ist ein Sensorium. In seiner komplexen Dynamik nimmt er die Transformationen der Erde auf, und schreibt ihre Zyklen wiederum in die Geschäftigkeiten der Lebensformen hinein. Der globale Ozean verändert die Zirkulationen, Energien, Wechselwirkungen und Ökologien der Erde. Er ist die dynamischste und empfindsamste Komponente unseres lebendigen Planeten. Wie können wir von und mit dem Ozean lernen?

Der Ozean befindet sich in einer neuen Phase seiner dynamischen Geschichte, die durch die Intensivierung der Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die planetarische Systeme geprägt ist. Die Transformationen sind zahlreich: Sie durchqueren eine Vielzahl von Elementen, Zirkulationen, Lebensformen, Umgebungen und wirken über einen Gradienten von Dimensionen, Energien und Rhythmen.

Wie sollen wir die gegenwärtigen Transformationen, die den Ozean verändern, verstehen, ohne zu einem alles überspannenden neuen Horizont, einer einzigen Sichtachse, zurückzukehren? Wie können wir für die vielfältigen Brechungen und Zirkulationen sensibel werden, die an die Entstehung des Ozeans im Anthropozän gekoppelt sind?

Die TBA21–Academy und die Territorial Agency arbeiten zusammen, um neue Formen der Sichtbarkeit und des Verständnisses des Ozeans zu verbinden, die durch Wissenschaft, Kultur und Kunst entstehen. Indem das Projekt WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen, politische EntscheidungsträgerInnen und NaturschützerInnen durch gemeinsame Bilder, Datensätze und Erzählungen verbindet, ist das Projekt als Anstoß für neue kognitive Formen der Begegnung mit dem Ozean und als Weg zu erreichbaren Lösungen zum Schutz der Ozeane konzipiert.

»Oceans in Transformation« ist ein mehrjähriges Forschungsprojekt der Territorial Agency im Auftrag der TBA21–Academy.

Terrestrische Universität

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Das Projekt ist Teil der »Critical Zones«-Ausstellung. Eine Multimedia-Installation untersucht dabei die Architektur des Kontinentalschelfs und zeigt, wie es sich in eine komplexe Architektur des Abbaus verwandelt. Fossile Ressourcen werden unter einer immer größer werdenden Gefahr abgebaut. Exzessiver Fischfang dezimiert die Lebensgrundlage des Meereslebens, das Pflügen des Meeresbodens durch Schleppnetzfischerei ordnet die Sedimentschichten neu und löscht Leben aus.

Die Veranstaltung wird in englischer Sprache stattfinden.

Über die TeilnehmerInnen

John Palmesino, geboren in der Schweiz, ist Architekt und Städteplaner. Er hat zusammen mit Ann-Sofi Rönnskog die Territorial Agency gegründet, die die integrierte Vision für die Zukunft des Markermeers in den Niederlanden entworfen hat. Sowohl in seiner wissenschaftlichen als auch künstlerischen Arbeit konzentriert er sich auf die territorialen Transformationen.

Ann-Sofi Rönnskog ist eine finnische Architektin und Städteplanerin. Zusammen mit John Palmesino hat sie die Territorial Agency gegründet. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die architektonische und räumliche Analyse zeitgenössischer Transformationsprozesse von Städten.

Markus Reymann ist Direktor der TBA21–Academy. Zwischen Juli 2011 und heute initiierte und leitete Reymann zahlreiche Expeditionen. Jede Reise ist als Zusammenarbeit mit eingeladenen KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und DenkerInnen konzipiert, die sich der Erforschung der Ozeane verschrieben haben. Inspiriert von dieser ungewöhnlichen Begegnung mit menschlichen und natürlichen Elementen gibt die Akademie ehrgeizige Projekte in Auftrag, die sich an der Reiseroute des Forschungsschiffs »Dardanella« orientieren.

Francesca Thyssen-Bornemisza ist Gründerin und Vorsitzende von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21). Angetrieben von dem Glauben an die Kraft der Kunst, Veränderungen herbeizuführen, hat sie während ihrer gesamten Karriere KünstlerInnen bei der Produktion und Schaffung neuer Werke unterstützt, die sich mit den dringendsten Problemen unserer Zeit auseinandersetzen.

Bruno Latour ist Philosoph, Anthropologe und Soziologe. Er kuratierte die Ausstellung »Critical Zones«, die den Fokus auf die dünne Oberfläche der Erde legt, in der sich alle Vorgänge des Lebens wechselseitig bedingen. In seiner jüngsten Publikation »Das terrestrische Manifest« fordert er, Politik als das zu definieren, was zur Erde und nicht zum Globalen oder Nationalen führt.

Peter Weibel ist künstlerisch-wissenschaftlicher Vorstand des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Er studierte Literaturwissenschaft, Medizin, Logik, Philosophie und Film. Durch seine vielfältigen Aktivitäten als Künstler, Medientheoretiker, Kurator und als Nomade zwischen Kunst und Wissenschaft wurde er zu einer zentralen Figur der europäischen Medienkunst. Er kuratierte auch die Ausstellung »Critical Zones«.

Bettina Korintenberg ist Kulturwissenschaftlerin. Ihre Arbeit widmet sich den Schnittstellen von Kunst, Architektur und Literatur. Im Zentrum ihrer kuratorischen und wissenschaftlichen Praxis steht die kritische Hinterfragung und Reflexion von Paradigmen der Moderne vor dem Hintergrund der gegenwärtigen sozialen und ökologischen Transformationen. Sie kuratierte auch die Ausstellung »Critical Zones«.

Die ZuschauerInnen haben die Möglichkeit, das Gespräch mit Fragen, Gedanken und Anregungen im Chat der Critical Zones-Telegram-Gruppe (zkm_criticalzones) zu begleiten.

In Kooperation mit

TBA21–Academy
Territorial Agency

Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem digitalen Programm von »Oceans in Transformation« organisiert. Sie findet live auf ocean-archive.org statt. Ab 27. August 2020 wird das Projekt zudem im Ocean Space, Kirche San Lorenzo in Venedig als Ausstellung eröffnet. »Oceans in Transformation - The architecture of the continental shelf« ist Teil der Ausstellung »Critical Zones« im ZKM Karlsruhe.

Begleitprogramm

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