Peter Weibel: Holon – eine kleine Philosophie der Biophilie

Dauer
1:34:59
Kategorie
Vortrag/Gespräch
Datum
14.04.2021
Beschreibung

»Die beste aller Welten ist immer nur jetzt!«

Dieses Credo Weibels wird plausibel, wenn man sich wie Peter Weibel permanent um neue Denkansätze und ein kreatives Vokabular bemüht, das aus der aufmerksamen Lektüre aktueller Erkenntnisse in Kunst, Wissenschaft und Technologie resultiert. Lassen sich doch aus diesem Ansatz eines mehrfach strukturierten Diskursfeldes die Notwendigkeiten und Chancen der Veränderbarkeit und Zukunftsgestaltung von Welt stets neu belegen.

In diesem Video-Vortrag, der sich als Beitrag zur Konzeptkunst (Art&Language) versteht, verfolgt Peter Weibel einmal mehr sein künstlerisch-medienwissenschaftlichen Programm der Biophilie. Zentral dafür ist die Ideengeschichte des Holons [Griech. holos (Ganzes) und -on (Teil)]. Ein Holon ist nach Arthur Koestler (1967) etwas, das Integrität und Identität besitzt, während es zugleich Teil eines größeren Systems darstellt, das wiederum Subsystem eines größeren Systems ist. Diese systemische Struktur, die aus naturwissenschaftlichen Überlegungen entstand, erscheint Weibel vielversprechend nicht nur als Beschreibungskategorien biologischer Verhältnisse, sondern auch in ihrer Applikation auf posthumanistische Mensch-Maschine-Systeme und sonstige Self-organizing holarchic open systems (SOHO) – zeigt sich damit doch deutlich, dass die im mechanistischen Weltbild verankerte Beziehung von Teil und Ganzem längst eine zu korrigierende ist.

Der Vortrag, der selbst dem holistischen Paradigma verpflichtet ist, organisiert Gedanken aus der Naturphilosophie mit Informationstheorie, führt zu den Anfängen der Holografie und endet im Hier und Jetzt der metaphorischen Virologie. Als Bestandteil eines größeren Projekts Weibels dient dieser Vortrag als ein Integral, um basierend auf der Allianz von Medienkunst und Wissenschaft eine Theorie biomimetischer Medienkunst zu entwickeln.

Zur Ausstellung »HOLOBIONT. LIVE IS OTHER«

Literatur
 
David Bohm, Wholeness and the Implicate Order, 1980
Dennis Gabor, Inventing the Future, 1963 (Dt., Menschheit morgen, 1965)
Arthur Koestler, The Ghost in the Machine, 1967 (Dt., Das Gespenst in der Maschine, 1968)
Adolf Meyer-Abich, Der Ursprung des Lebens oder die Entstehung des Anorgischen, 1945
Adolf Meyer-Abich, Geistesgeschichtliche Grundlagen der Biologie, 1963
Adolf Meyer-Abich, Naturphilosophie auf neuen Wegen, 1948