Web Residencies

by Akademie Schloss Solitude & ZKM

Farbenfrohe Dreiecke rotieren um den Schriftzug »Web Residencies«
Dauer
2017–2020

In den Jahren 2017–2020 veröffentlichte die Akademie Schloss Solitude, Stuttgart und das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe gemeinsam neun Calls für »Web Residencies« mit unterschiedlichen Themen, die von eingeladenen KuratorInnen konzipiert werden.

Das Programm »Web Residencies« wurde 2016 von der Akademie Schloss Solitude initiiert, um junge Talente der internationalen digitalen Szene sowie Kunstschaffende aller Disziplinen, die sich mit web-basierten Praktiken auseinandersetzen, zu fördern und den Prozess ihrer Arbeit online auf der Plattform www.schloss-post.com zu präsentieren. Bei jeder Ausschreibung wurden drei bis vier Personen oder Teams von den jeweiligen Kuratoren für eine vierwöchige »Web Residency« ausgewählt, die mit je 500 USD prämiert wurde.

Mit der seit 2017 bestehenden Kooperation schlossen die Akademie Schloss Solitude als Künstlerresidenz und Netzwerkmaschine und das ZKM, ein Museum und Ort künstlerischer Forschung und Entwicklung, ihre Expertise und Praxis zusammen und arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung des Programms »Web Residencies«. Beide Häuser begreifen Künstlerresidenzen online als ein zeitgemäßes Format der Künstlerförderung im globalisierten und durch die Digitalisierung geprägten Kunstbetrieb. Der digitale Raum wird nutzbar gemacht, um neue Wege in der künstlerischen Praxis und der Kunstvermittlung außerhalb geografischer und institutioneller Grenzen zu erproben. Das Programm ist dabei bewusst offen gestaltet und lässt sich von den Ideen, Konzepten sowie Arbeitsweisen einer Szene auch jenseits des etablierten Kulturbetriebs prägen.

Im Fokus der »Web Residencies« steht nicht das fertige Kunstwerk, sondern KünstlerInnen sind dazu eingeladen, in einem bestimmten thematischen Rahmen mit digitalen Technologien und neuen Kunstformen an der Schnittstelle von digitaler Kunst und Kommunikation zu experimentieren. Sie stehen dabei in direktem Austausch mit dem professionellen Netzwerk der Institutionen und einer breiten digitalen Öffentlichkeit, die wiederum einen unmittelbaren Zugang zu den künstlerischen Arbeiten erhält. Eine dezentrale und internationale Diskussion von Themen im Bereich digitale Kunst, Netzkultur sowie digitale Technologie und Gesellschaft, die von den eingeladenen Kuratoren gesetzt werden, soll auf diese Weise ermöglicht werden.

Die zu den Calls eingereichten Arbeiten werden auf www.schloss-post.com sowie auf web-residencies.zkm.de gezeigt. Für BewerberInnen gibt es keine Altersbeschränkung, auch Studierende sind zugelassen. Das Programm wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg unterstützt.

The Hash

In den Jahren 2018 und 2020 wurde der Produktionspreis »Hash« für herausragende Projekte der Web Residents vergeben. Die PreisträgerInnen waren Marloes de Valk (2018) sowie Natasha Tontey und Pedro Oliveira (2020).

 

HASH Award
Der Produktionspreis für netzbasierte Projekte in den Bereichen Kunst, Technologie und Design wird alle zwei Jahre verliehen.

Calls 2017

Februar 2017

Welche Rolle spielt die Kunst im Hinblick auf Whistleblowing? Dieser Call konzentriert sich auf den Akt der Evidenzproduktion durch künstlerische Praktiken. Wenn wir den Kunstbegriff auf Whistleblowing und den Akt der Bewusstseinsbildung gegenüber Machtmechanismen erweitern, welche Art von Taktiken und Strategien des Widerstands können wir uns innerhalb und außerhalb des technologischen Paradigmas vorstellen?

Mai 2017

Wir suchen Arbeiten, welche die Vielfalt und die Spannung von Mustern und Chaos herausfordern. Wir suchen KünstlerInnen, die sich dem Nichtlinearen und Unvorhersehbaren stellen, die Algorithmen entwickeln, um den Flügelschlag eines Schmetterlings zu entwerfen und Ausschau halten nach der Veränderung des Weltenlaufs und des Rhythmus einer Welt, die noch im Entstehen ist.

September 2017

Wie sollen wir uns die maschinelle Intelligenz im Kontext der Kunst vorstellen – als unsere nicht-menschlichen Mitarbeiter mit eigenem Tatendrang und Ehrgeiz oder als ein Werkzeug, das den Handlungsspielraum unserer künstlerischen Fähigkeiten erweitert?

 

Calls 2018 / 2019

Februar 2018

Dies ist ein Aufruf, die Position und die Rolle der Internetkultur und der globalisierten Informationswirtschaft in Übereinstimmung mit dem Neokolonialismus genauer zu betrachten: Welche Auswirkungen haben westliche Technologien auf nicht-westliche Kulturen?
Was sind wissenschaftliche oder technologische Kolonialismen im Jahr 2018?

Mai 2018

Dies ist ein Aufruf zur "weiblichen Zukunft". Der Feminismus, der mehr ist als Frauen; er ist eine Philosophie des Nicht-Männlichen, Nicht-Weißen, Nicht-Westlichen. All jene Menschen, die von den Sozialsystemen, die sie unterdrücken, irgendwann als "weniger als" angesehen wurden. Dies ist ein Aufruf, die Realität auf andere Zukünfte auszurichten, damit wir die politische Vorstellung von linearem Raum und Zeit in einem Akt des Widerstands in sich zusammenfallen lassen können.

November 2018

Vor dem Hintergrund des Klimawandels, des steigenden Meeresspiegels und der chemischen Veränderung sowie Industrialisierung des Planeten forderte dieser Call neue Open-Source-Strategien, um die Falle dieses globalen Wandels zu durchbrechen. Die Kuratorin und Jurorin Mary Maggic lud KünstlerInnen, DesignerInnen, (Bio-)HackerInnen, TechnologInnen, GeschichtenerzählerInnen, SchriftstellerInnen, HeilerInnen und GestaltwandlerInnen ein, Lusttutorials, Hexerei und Alchemie, kollektive Bewältigungsmechanismen, Online-Netzwerke der Fürsorge, Emanzipation von Informationen, Trainingsübungen und andere Formate einzureichen.

Calls 2019 / 2020

Juli/August 2019

Wie würden geeignete Infrastrukturen aussehen, die für die öffentliche Meinungsbildung und damit für die politische Debatte benötigt werden? Wie können wir uns neue Formen der politischen Debatte und Orte der politischen Kommunikation vorstellen? Wie können wir Social Media nicht nur als Werkzeuge, sondern auch als Räume nutzen, um alternative Erzählungen durchzuführen, die Schlupflöcher, Hacks, Entführungen, Subversionen, Performances entdecken und entwickeln können, um Autorität zurückzugewinnen, einen Teil der Struktur zu besitzen und vielleicht die undurchsichtigen Systeme zu öffnen, die unsere Gesellschaft kontrollieren und verwalten?

September/Oktober 2019

Der Call »Engingeering Care« behandelt das Thema »fürsorgliche Maschinen«. Wir leben in einer automatisierten Welt, die ohne personifizierten, intelligenten Assistenten oder Therapie–Robotern und deren Sorgfalt im Umgang mit dem Menschen nicht mehr denkbar wäre. Maschinen, die zur Pflege gedacht sind, informieren, erinnern, begleiten, vermitteln und geben uns Menschen Feedback. Sie helfen jung und alt ein sicheres und unabhängiges Leben zu führen. Aber in welcher Beziehung stehen neue Pflegetechnologien mit der bereits bestehenden Krise in der Alters- und Krankheitspflege? Was können wir von diesen Maschinen lernen und wie stark sind wir heute in unserer Lebens-und Arbeitswelt von ihnen abhängig?

Dezember 2019 / Januar 2020

Der Call »Violent Consumer Media« untersucht, wie sich Konsumtechnologien und nutzergenerierte Online-Inhalte sowohl auf die Darstellung als auch auf die Ausübung von Gewalt auswirken. Der Kurator Dani Ploeger lädt Künstler, Designer, Technologen und Aktivisten ein, sich mit der Rolle von Mobiltelefonen, Aktionskameras, Spielzeugdrohnen und anderen digitalen Geräten in Krieg, Terrorismus, Jagd und anderen Formen subjektiver Gewalt auseinanderzusetzen.

Website zum Projekt
https://schloss-post.com/overview/web-residencies/
Organisation / Institution
Akademie Schloss Solitude & ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Impressum
Team ZKM
Projektentwicklung und -leitung Akademie Schloss Solitude (2016-2019) Clara Herrmann 
Projektleitung ZKM (2017–2020) Margit Rosen
Mitarbeit ZKM (2018–2020) Jenny Starick
KuratorInnen und Web Residents (ab 2017)

In Kooperation mit

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